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Viola da gamba
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| Viola da gamba |
|---|
| italienisch viola da gamba englisch viol franzĂśsisch viole de gambe |
| |
| Klassifikation |
| Chordophon Streichinstrument |
| Stimmungen (Diskant, Alt/Tenor, Bass) [ 1 ] |
| |
| Verwandte Instrumente |
| Baryton , Viola dâamore , Viola bastarda , Lira da gamba , Lira da braccio |
| Musiker |
| Kategorie:Gambist |
Viola da gamba (italienisch , zu viola âGeigeâ und gamba âBeinâ; im Deutschen Gambe, frĂźher auch Kniegeige, Beingeige oder SchoĂgeige) ist eine Sammelbezeichnung fĂźr eine Familie historischer Streichinstrumente. Sie entstand zur selben Zeit wie die Violinenfamilie. Die Bezeichnung da gamba leitet sich von der Spielhaltung ab. Die Instrumente sämtlicher Stimmlagen â Diskant-, Alt-/Tenor-, Bassgambe und Violone â werden im Gegensatz zu den viole da braccio, das heiĂt âArmgeigenâ, zwischen den Beinen gehalten. Die kleineren Typen werden auch mit dem Korpus so auf den SchoĂ gestellt, dass der Hals nach oben ragt.
Die Gamben entstanden wahrscheinlich im 15. Jahrhundert in Spanien. Sie haben fßnf oder sechs, später auch sieben Saiten in Quart-Terz-Stimmung und ein mit Bßnden versehenes Griffbrett. Den Bogen hält der Spieler im Untergriff. Die Gamben haben sich bis ins 18. Jahrhundert in der Musik zahlreicher europäischer Länder behauptet, vornehmlich in Italien und Frankreich, England und Deutschland mit jeweils eigenen Ausprägungen von Mensur und Baugestaltung sowie mit unterschiedlichen Funktionen beim Solo-, Ensemble- und Generalbass-Spiel. Mit dem Aufkommen von Violoncello und Kontrabass gerieten die Gamben, die bis dahin die Kammermusik von Akademien, Aristokratie und wohlhabendem Bßrgertum bestimmt hatten, allmählich in Vergessenheit, gaben jedoch einige ihrer bau- und spieltechnischen Eigenheiten an die modernen Instrumente weiter. Vor allem durch die historische Auffßhrungspraxis erlebte die Viola da gamba seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine Renaissance.cite-ref-mgg1573-2-0[2]
Contents
⢠Instrumente
⢠Entstehung
⢠Besaitung
⢠Bogen
⢠Stimmungen
⢠Spieltechnik
⢠Spielhaltung
⢠Linke Hand
⢠Rechte Hand
⢠16. Jahrhundert
⢠17. Jahrhundert
⢠18. Jahrhundert
⢠19. Jahrhundert
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Wort und Wortgeschichte
Der aus dem Italienischen bzw. Altprovenzalischen stammende Ausdruck viola und seine etymologischen Verwandten (altfranzĂśsisch vielle âDrehleierâ und vièle âFidelâ) sind seit dem Mittelalter bekannt. Deren Beziehung zum mittelhochdeutschen Wort fidel ist durchsichtig. Am frĂźhesten belegt ist das mittellateinische viella, das ebenso die Fidel meint. Die unterschiedlichen Tonerzeugungsarten spiegeln sich am auffälligsten in der Familie der spanischen Vihuelas, die seit dem 13. Jahrhundert bezeugt ist und als Vihuela de pĂŠndola mit einem Federkiel angerissen, als Vihuela de arco mit dem Bogen gestrichen und als Vihuela de mano mit den Fingern gezupft wird; diese Bezeichnung hielt sich bis ins 16. Jahrhundert, während das Wort âViolaâ in anderen Sprachen bald auf Streichinstrumente eingeengt wurde. Ob alle diese Bezeichnungen, wie Johann Christoph Adelung vermutet, Ăźber das mittellateinische fiala âSaiteninstrumentâ auf lateinisch fides âLyraâ zurĂźckgehen, kann nicht geklärt werden.
Im 16. Jahrhundert bildeten sich mit der Entwicklung des Instrumentenbaus Ableitungen zu viola. Diese betrafen zum einen das Format, z. B. violino und violetta als verkleinerte, violone als vergrĂśĂerte Bauform; zum anderen teilte sich die Violenfamilie nach der Spielhaltung in Armgeigen (viole di braccio) und Kniegeigen (viole di gamba), wobei in Italien die Gattungsbegriffe viola und lira weitgehend synonym angewendet wurden. Die Drehleier hieĂ in Italien lira tedesca oder lira rustica. Der Bezeichnung Viola da gamba ging der allgemein beliebtere Name violone voraus, der noch 1553 in Diego Ortizâ Tratado de Glosas als Bezeichnung fĂźr die ganze Familie galt, bevor er allein den Bassinstrumenten vorbehalten war.cite-ref-mgg1573-2-1[2]cite-ref-3[3]
Die Bezeichnung Viola galt zunächst fĂźr die Violen- wie fĂźr die Violinenfamilie in sämtlichen Registern.cite-ref-4[4] Eine eingedeutschte Violdigammecite-ref-5[5] oder Violdigambcite-ref-6[6] bildete den Ăbergang, wenngleich die Gattungsbezeichnungen Viola und Geige sich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts noch nicht trennten. Die Trennung und die Zusammenfassung als Instrumentenfamilie erfolgten erst am Ende des Jahrhunderts parallel zur Neubildung Kniegeige, während die Tenor- und Bassinstrumente allmählich dem Violoncello und die Diskantgambe der Barockvioline wichen.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] Im 18. Jahrhundert haben die modernen Bauformen die Gamben bereits so weit verdrängt, dass das Wort auf die unteren Stimmlagen beschränkt war.cite-ref-9[9]
In nahezu allen anderen europäischen Sprachen setzte sich der italienische Terminus viola di [da] gamba durch, so im Englischen viol (de gamba) und teilweise gambo(violl), im FranzĂśsischen viole (de gambe), im (frĂźhen) Niederländischen fiool de gamba, im Russischen виОНа.cite-ref-mgg1573-2-2[2] Zur Unterscheidung von der heute gebräuchlichen Viola bildete sich eine neue Bezeichnung heraus, die nach der Stimmlage der Bratsche heiĂt: englisch und franzĂśsisch alto, polnisch AltĂłwka, russisch аНŃŃ. Einzig das Norwegische kennt wie das Deutsche Bratsj und Gambe.
Instrumente
Michael Praetorius beschreibt in De Organographia (1619), dem zweiten Teil des Syntagma musicum, die Familie der Gamben folgendermaĂen:
âUnd haben den Namen daher / daĂ die ersten [d. h. Viole de Gamba] zwischen den Beinen gehalten werden: Denn gamba ist ein Italienisch Wort / und heist ein Bein / legambe, die Beinen. Und dieweil diese viel grĂśssere corpora, und wegen des Kragens lenge / die Säiten auch ein lengern Zug haben / so geben sie weit ein lieblichern Resonanz / Als die anderen de bracio, welche uff dem Arm gehalten werden. [âŚ] Die Violen de Gamba haben 6. Saiten / werden durch Quarten, und in der Mitten eine Terz gestimmet / gleich wie die sechs ChĂśrichte Lauten. [âŚ] Die Alten haben dieser Violen de gamba, wie im Agricola zu finden / dreyerley Arten gehabt: Dann etliche sind mit drey Säitten; Etliche mit vier; Und etliche [âŚ] mit fĂźnff Säitten bezogen worden.â
â
Michael Praetorius
:
De Organographia
Entstehung
Die Gambenfamilie hat drei Vorläufer: den RabÄb, die Laute und die Viella. Der RabÄb (arabisch عباب) war mit der maurischen Kultur nach Spanien gelangt und ist seit dem 10. Jahrhundert als bundloses Zupf- und Streichinstrument mit zwei einfachen oder doppelten Saiten bekannt.cite-ref-11[11] Das Streichinstrument wird im SchoĂ gehalten oder hängt von der Griffhand herab. Es wird mehr mit dem Untergriff als mit dem Obergriff gespielt. Der Untergriff hat den Vorteil, dass mehr Kraft ausgeĂźbt werden kann. AuĂerdem werden die Bogenhaare mit Fingerdruck gespannt â wie beim Kontrabass, der auch eine Gambe ist (und nicht etwa ein grĂśĂeres Cello). Der lange Bogen erlaubt es dem Spieler, ganze Passagen auf einen Strich zu spielen, anstatt fĂźr jeden Ton zwischen Auf- und Abstrich wechseln zu mĂźssen.cite-ref-12[12]
Auch die Laute, die Spieltechnik und Namen dem Oud (arab. ŘšŮŘŻ) entlehnte, war eine Entwicklung des arabischen Kulturkreises. Allein in Spanien stand sie im 16. Jahrhundert in Konkurrenz zur Vihuela, im Ăźbrigen Europa entwickelte sie sich in zahlreichen Bauformen zum beliebtesten Zupfinstrument, denn durch die Anzahl ihrer Saiten lieĂ sie den Spieler beliebig transponieren. Die BĂźnde und die darauf beruhende Tabulaturnotation machten das Instrument leicht erlernbar. Informationen Ăźber die Spieltechnik konnten relativ einfach niedergeschrieben werden.
Vieles spricht fĂźr die Herkunft der Viella aus Nordfrankreich oder Flandern. Sie war ein der Fidel ähnelndes âModeinstrumentâ des 12. Jahrhunderts, das nach Spanien gelangte und in der Vihuela sowohl etymologisch als auch bautechnisch weiterlebte: Im Gegensatz zu den runden Korpora von Rebab und Lauten besitzt sie einen flachen Boden und seitlich eingerundete Zargen wie die Gitarre. Die von Johannes Tinctoris in De usu et inventione musicae (um 1487) beschriebenen Vihuelas werden schon nach ihren Spieltechniken Zupfen und Streichen unterschieden. Einige Bilddarstellungen der Vihuela da mano aus dem 15. Jahrhundert lassen die spätere Gambenform bereits klar erkennen. Die Viola da Gamba war in der Summe eine gestrichene Vihuela da mano mit Stimmung, BĂźnden und Saitenzahl der Laute sowie Spielhaltung und Bogenhaltung des Rebab.cite-ref-13[13]
Als Produkt dreier Bautypen blieben die Violen einerseits bautechnisch ohne einheitliche Normen, die lange und kurze Hälse kannten, runde und flache Schultern, unterschiedliche Formen von SchalllĂśchern; andererseits eigneten sie sich in ihrer Vielgestalt zum solistischen Spiel als Melodieinstrument ebenso wie im Gambenconsort als Akkordinstrument â und nicht zuletzt im Generalbass. Geprägt von drei Kulturen, gelangte die Viola da gamba nach Italien, als die Katholischen KĂśnige am Ende der Reconquista 1492 zur âReinerhaltung des Blutesâ Juden und Muslime aus Spanien vertrieben. Mit jĂźdischen Musikern gelangte sie an den Hof der Este in Ferrara und an die humanistischen Akademien.cite-ref-14[14]
Allgemeine Bauform
Die Viola da gamba wurde in drei GrĂśĂen gebaut, Diskant, Alt/Tenor und Bass. Ihre beiden Entwicklungsstufen unterscheiden sich vor allem durch die Stimmung. Während der nordalpine Typ, der mĂśglicherweise flandrischen Ursprungs war, fĂźnf in Quarten gestimmte Saiten besaĂ, war der sĂźdalpine Typ aus Italien sechssaitig und hatte die Quart-Terz-Stimmung der Lauten Ăźbernommen. Die italienische Form erwies sich als besser und verdrängte im Laufe des 17. Jahrhunderts die nordalpine. Sie zeigte bereits die Gestaltungsmerkmale der klassischen Gambe, die spitz zulaufenden OberbĂźgel bzw. Schultern und den flachen Boden.
Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts sind es Instrumente im 12â˛-Register, wie sie die Theoretiker Praetorius, Pietro Cerone und Adriano Banchieri beschrieben. Noch das in Marin Mersennes Harmonie universelle (1636) abgebildete und mit einer HĂśhe von 4Âź Pariser FuĂ (146 cm) bezeichnete Bassinstrument behielt diese Lage bei, die im Ensemblespiel Transpositionen erforderte, um die Stimmungen der unterschiedlichen Instrumente aneinander anzupassen. Die Mensur misst ungefähr 80 cm (zum Vergleich: Der Kontrabass hat 102â108 cm, das Violoncello 69â71 cm an schwingender Saite), bei Tenor-Gamben ungefähr 60 cm, im Alt 50 cm, im Diskant 40 cm.cite-ref-mgg1580-17-0[17]cite-ref-18[18]
Die Decke der Viola da gamba besteht gewĂśhnlich aus Fichtenholz, Boden, Zargen und Hals samt Schnecke aus unterschiedlichen AhornhĂślzern.cite-ref-19[19] Auch Birke und ObsthĂślzer wie Pflaume und Kirsche sind geeignete BodenhĂślzer.cite-ref-ao202-20-0[20] Auf dem innen mit Leisten verstärkten Boden, der unterhalb des Oberklotzes abgeschrägt ist, sitzt der Zargenkranz, der mit EckklĂśtzchen verstärkt wird. Im Unterschied zur Violinenform ragen diese jedoch nicht aus, die MittelbĂźgel bleiben stumpf. Die Decke bog der Instrumentenbauer â anders als bei den heutigen industriell gefertigten Kontrabässen â meist nicht Ăźber Dampf, sondern stach sie aus massivem Holz.cite-ref-21[21] Moderne Nachbauten gehen mehr und mehr zum Dampfbiegen Ăźber.cite-ref-ao202-20-1[20] Im Gegensatz zum Violinentyp steht die Decke nicht Ăźber den Zargen hervor. Griffbrett und Saitenhalter fertigte man seit dem 17. Jahrhundert aus Ebenholz, wie es heute bei Streichinstrumenten Ăźblich ist. Zuvor waren Ahorn und Birne die bevorzugten HĂślzer. FĂźr die seitenständigen Wirbel eignen sich HarthĂślzer.cite-ref-22[22] Seit dem Barockzeitalter sind bei den Gamben Stimmstock mit Bodenplatte sowie der Bassbalken in Gebrauch.
Der Steg wurde meist beweglich verbaut, seltener auch auf die Decke geleimt. Silvestro Ganassi empfahl in der Lettione seconda (1543), je nach Spielpraxis den Steg auszuwechseln: Ein flacherer Steg erlaubt einfacheres Akkordspiel, ein runder eignet sich besser fĂźr das solistische Spiel auf der einzelnen Saite. Weiterhin ist die Gestaltung des Stegs von groĂem Einfluss auf den Klang. Die Stege baute man mit der Zeit weniger massig und eher durchbrochen, so dass sie fĂźr einen klaren, leicht nasalen Klang sorgten. Sie sitzen ungefähr in der Mitte der beiden SchalllĂścher.cite-ref-23[23]
Diese SchallĂśffnungen erscheinen in Ć- oder c-Form und vielen individuellen Gestaltungen der Gambenbauer. In einige Decken sind zusätzlich an die Laute erinnernde Rosetten eingelassen, verkleidet mit geschnitztem oder gesägtem Gitterwerk. Viele Exemplare der Viola da gamba schmĂźcken sich dazu mit aufwendigen Verzierungen: geschnitzten LĂśwen- und Drachen-, Menschen- und EngelskĂśpfen an Stelle der Schnecke, Intarsienarbeit aus Furnier und Elfenbein auf Griffbrett und Saitenhalter, Boden und Zargen, Brandmalerei, mit farbiger Einfassung, Vergoldung usw. Dies trifft vor allem auf englische Instrumente zu, denen gegenĂźber die franzĂśsischen deutlich schlichter gehalten sind.cite-ref-ao202-20-2[20]
Die Viola da gamba besaĂ ursprĂźnglich sieben, seit dem 17. Jahrhundert gelegentlich auch acht BĂźnde (der letzte als Oktavbund) im Halbtonabstand. Sie bestehen aus Darm â dazu werden mitunter ausgediente Saiten verwendet â und werden ein- oder zweimal um das Griffbrett geschlungen und verknotet. (Heute sind auch BĂźnde aus Polyamid erhältlich.) Ein Bund ist nicht als Griffhilfe zu verstehen, er dient als kĂźnstlicher Sattel, der den Klang der schwingenden Saite klarer werden lässt.cite-ref-24[24]
Besaitung
Gambeninstrumente werden gewĂśhnlich mit Darmsaiten von 0,3 bis 4 mm Dicke bespannt. Da Gamben jedoch zu keiner Zeit âgenormtâ waren, hängt die richtige Besaitung von mehreren Faktoren ab, von der Bauweise, von der Lage des Wolftons und von der Stimmung. In der Praxis Ăźbertrug man die Verhältnisse der Saiten-Intervalle (4:3 fĂźr die Quarte, 5:4 fĂźr die groĂe Terz) umgekehrt proportional auf die zugehĂśrigen Saitenstärken, so dass die hĂśchste Saite eines sechssaitigen Instruments noch ein Viertel, die eines siebensaitigen noch ein knappes FĂźnftel an Durchmesser der Basssaite besaĂ.
Die Gambe war zunächst mit Saiten aus Schafs- oder Rinderdarm bespannt. Die tiefen Saiten waren stärker gedreht (âFlorentinerâ). In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen umsponnene Saiten auf. John Playford berichtet 1664 Ăźber eine neue Erfindung von Saiten fĂźr die Bässe von Violen, Violinen und Lauten, bei denen ein dĂźnner Draht um einen Kern aus Darm oder Seide gewickelt wurde. Er habe beide ausprobiert; jene aus Seide hielten am besten und gäben einen guten Klang.cite-ref-25[25]
Mit Metallsaiten wurde sie erst im Zuge ihrer Wiederentdeckung experimentell bespielt. Der zwar lautere, aber zugleich scharfe und weniger substanzreiche Klang der Metallsaiten stieĂ schon im 17. Jahrhundert auf Widerstand. Einzelne Versuche gab es ebenso mit Kunststoffsaiten.cite-ref-26[26]
Bogen
Der Gambenbogen ist ein rund konstruierter Renaissance- oder Barockbogentyp. Er ist generell länger als vergleichbare moderne Bauarten. Mersennes Harmonie universelle empfahl als Maximum die schwingende Saitenlänge des Instruments. Englische Lehrwerke rieten zu einer Stangenlänge von ungefähr 30 Zoll (ca. 76 cm).cite-ref-mgg1581-27-0[27] Ein nachgebauter Bassgambenbogen ist heute 72 cm lang. Die BĂśgen der Renaissance und im franzĂśsischen Barock maĂen bis zu 90 cm und waren damit länger als der Instrumentenkorpus.cite-ref-ao221-28-0[28] Am Griffende des Bogens befanden sich manchmal zusätzliche Gewichte zur Verbesserung der Balance.cite-ref-mgg1581-27-1[27]
Im Gegensatz zur heutigen starren Bogenstange ist die Stange des Gambenbogens gerade hergestellt und biegt sich erst durch die Zugspannung der Bogenhaare.cite-ref-ao222-29-0[29] Zwar sind ältere BÜgen aus Ahorn und Rotbuche erhalten, die meisten wurden jedoch aus Schlangenholz hergestelltcite-ref-30[30] (in der Regel von Brosimum guianense oder verwandten Arten stammend) und ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Fernambuk, das durch sein hohes spezifisches Gewicht lange Bogenstangen mit dßnn ausgearbeiteter Spitze erlaubte, die zugleich elastisch und stabil waren und ßber Jahrhunderte blieben.cite-ref-ao221-28-1[28] Der Stangenquerschnitt ist gewÜhnlich rund. Einige erhaltene BÜgen haben jedoch auch achteckige Stangen, die an der Spitze rhomboid auslaufen. Kannelierungen sind seit dem 18. Jahrhundert nachgewiesen.cite-ref-mgg1581-27-2[27]
Die Bespannung bestand aus unterschiedlichen Arten von Rosshaar. Jean Rousseaus TraitĂŠ de la viole (1687) befĂźrwortete weiĂes Haar fĂźr kleinere und schwarzes fĂźr Bassinstrumente.cite-ref-31[31] Da schwarze Haare fester sind, sprechen dicke Darmsaiten beim Streichen damit leichter an.cite-ref-ao221-28-2[28]
Der Frosch war vom Beginn des 17. bis ins späte 18. Jahrhundert ein Steckfrosch. Bei diesem Bauprinzip sind die Bogenhaare an beiden Seiten fest mit der Bogenstange verbunden und werden durch einen separaten, bis zu 22 mm hohen Frosch gespannt, den der Spieler in eine Nut an der Innenseite der Bogenstange einrasten lässt. Ein Nachteil dieses geschlossenen Systems ist, dass sich die Spannung nur durch zusätzlichen Fingerdruck regulieren lässt. Vorteile des Steckfroschbogens sind seine erhebliche Stabilität und Haltbarkeit gegenßber dem gegen 1720 erfundenen Schraubfrosch, dessen Mechanik schneller unbrauchbar wird, während alte SteckfroschbÜgen zum Teil bis in die Gegenwart funktionsfähig blieben.cite-ref-ao221-28-3[28]cite-ref-ao222-29-1[29] Sie wurden im Gegensatz zu Schraub- oder CrÊmaillèrebÜgen, bei denen ein Metallriegel in einer ausgesägten Kerbe liegt, auch selten entspannt.cite-ref-32[32]
Typen der Gambenfamilie
Die Instrumente der Viola-da-gamba-Familie unterlagen keiner Normierung, ihre Bautypen unterscheiden sich stark in Bautechnik und Besaitung, Stimmung, Klang und Spielweise. Sie wurden in unterschiedlichen Ländern und ßber mehrere Jahrhunderte hinweg zu unterschiedlichen EinsatzmÜglichkeiten gebaut.
Die Proportionen einzelner Instrumente:cite-ref-33[33]
| Instrument | KorpusgrĂśĂe minimal | KorpusgrĂśĂe maximal | Mensur minimal | Mensur maximal |
|---|---|---|---|---|
| Pardessus de viole | 31,5 cm | 33,5 cm | 33,0 cm | 33,5 cm |
| Diskantviola Treble viol Dessus de viole | 35,0 cm | 39,0 cm | 35,0 cm | 35,5 cm |
| Altviola | 35,0 cm | 41,0 cm | 35,0 cm | 40,5 cm |
| Tenorviola Taille | 47,5 cm | 53,0 cm | 45,0 cm | 52,0 cm |
| Lyra viol | 55,5 cm | 60,0 cm | 53,5 cm | 60,0 cm |
| Division viol | 62,0 cm | 68,0 cm | 65,0 cm | 66,0 cm |
| Bassviola Consort bass Basse de viole | 68,0 cm | 71,0 cm | 68,0 cm | 70,5 cm |
| Violone | 98,5 cm | 105,0 cm | 97,0 cm | 105,0 cm |
âViola bastardaâ
â
Hauptartikel
:
Viola bastarda
Es ist eine musikgeschichtliche Streitfrage, ob Viola bastarda als eigener Instrumententyp oder aber als Spielweise der Viola da gamba aufzufassen ist.
Als Instrument wurde sie u. a. von Praetorius mit einer herkĂśmmlichen Schnecke und einer zusätzlichen Rosette auf der Decke abgebildet. Er beschreibt sie als Tenorviola mit etwas geringeren MaĂen im Vergleich zur normalen Stimmlage. FĂźr die Deutung des Begriffs als figurative Spielweise im Ensemble spricht ihre Beschreibung als Instrument mit durchsetzungsfähigem Klang â während andere Instrumente nach ihren Baumerkmalen klassifiziert wurden â und die Verbreitung. NĂśrdlich der Alpen war Viola bastarda quasi ein Synonym fĂźr die Sologambe. In Italien war sie ein Ensemble-Instrument fĂźr das Spiel von Diminutionen. Die Bezeichnung alla bastarda findet sich ebenfalls in Notentexten fĂźr Laute oder Posaune, so dass man sie eher auf die Spielbarkeit fĂźr unterschiedliche Instrumente beziehen mag, d. h. auf die MĂśglichkeit, Musik in flexiblen Besetzungen aufzufĂźhren. In beiden Fällen kĂśnnte die Viola bastarda ein Instrument in Quart-Quint-Stimmung oder aber eine siebensaitige Gambe mit Erweiterung im Bassregister gewesen sein. Als gesichert gilt wenigstens, dass sie im Consort gespieltcite-ref-34[34] bzw. um die Wende zum 17. Jahrhundert dort als begleitendes Akkordinstrument integriert wurde.cite-ref-mgg1582-35-0[35]
âDivision violâ
Die Division viol (engl. division âFiguralvariationâ) ist eine kleiner dimensionierte Bassgambe nach Art der Viola bastarda mit einer Mensur von ca. 30 Zoll (76 cm) und einer GesamthĂśhe von 130 cm.cite-ref-ao125-36-0[36] Sie eignete sich vor allem fĂźr das im 17. Jahrhundert in England praktizierte Akkordspiel und fĂźr die Improvisation Ăźber einem Basso ostinato (divisions upon a ground).cite-ref-mgg1582-35-1[35] Damit war sie eine Verbindung zum Soloinstrument, das kammermusikalisch z. B. in einer Besetzung von zwei Violen und Orgel gespielt wurde.cite-ref-37[37]
Sie war ein technischer Fortschritt, denn sie näherte sich bereits der Violinenform an. Bautechnisch unterschied sie sich von den italienischen Vorbildern, da ihre Decke nicht mehr nur gestochen, sondern oft schon gebogen wurde. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts verringerte sich die Mensur auf durchschnittlich 69 cm, weshalb sie schlieĂlich als Vorbild fĂźr den englischen Consort bass galt.cite-ref-mgg1583-38-0[38] Die Division viol spricht leichter an als andere Gambeninstrumente und hat einen klaren, hervortretenden Klang in allen Registern.cite-ref-ao125-36-1[36]
Lyra viol
Die Lyra viol oder Lyra-Viol (englischcite-ref-39[39]) war eine Entwicklung fĂźr das Akkordspiel in wechselnden Stimmungen. Es handelte sich um eine Variante der Bassgambe.cite-ref-40[40] AuĂerhalb Englands war sie unbekannt. Am ehesten entspricht ihr die deutsche Bastardviole. Sie ist kleiner als die Division viol, ihre KorpusgrĂśĂe tendiert zur Altlage. Der Steg ist fĂźr ein einfacheres Akkordspiel deutlich abgeflacht und die Besaitung weniger stark.cite-ref-mgg1583-38-1[38] Die Verwandtschaft zur Laute tritt unter den Gamben bei der Lyra viol am stärksten hervor. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts wurde sie mit einem Chor von Resonanzsaiten aus Metall gebaut, die auf einem schräg angeleimten Steg in einen verlängerten Wirbelkasten verliefen. Die sympathetischen Saiten kamen bis spätestens 1650 wieder aus der Mode und erschienen erst später wieder beim Baryton und bei der Viola dâamore. Das Repertoire von Laute, Gitarre und Lyra viol Ăźberschnitt sich.
Zu den Komponisten fĂźr die Lyra viol gehĂśrt etwa der englische Gambist Thomas Ford (Mr. Southcoteâs Pavan fĂźr zwei âlyra-violsâ in Musicke of Sundry Kindes von 1607).cite-ref-41[41]
In einer ersten Phase zwischen 1600 und 1645 war die Lyra viol mit einem Tonumfang von dreieinhalb Oktaven ein polyphon verwendetes Instrument, das im Consort in ein- bis dreifacher Besetzung erschien. Als sich nach dem BĂźrgerkrieg die englische Kultur neu orientierte, entwickelte sich die Lyra viol zu einem eleganten Soloinstrument und schlieĂlich bis zum 18. Jahrhundert zu einem Dilettanteninstrument mit vereinfachten Saitenstimmungen, z. B. mit den Harp ways genannten Dur-/Moll-Dreiklangsbrechungen.cite-ref-42[42] Damit war sie bis auf den Steg von der Viola bastarda nicht mehr zu unterscheiden. Die zahlreichen unterschiedlichen Stimmungen, wegen derer die Literatur eher in Tabulatur als in Notenschrift aufgezeichnet wurde, erforderten fĂźr einzelne Kompositionen, die Saiten auszuwechseln.cite-ref-43[43]
Andere Resonanzsaiteninstrumente
Das Baryton war vermutlich eine sĂźddeutsche Weiterentwicklung des alten Lyra-viol-Typs im 17. Jahrhundert. Neben sechs Haupt- und einem einfachen oder doppelten Satz an Resonanzsaiten an der Bass-Seite der Decke besaĂ es einen dritten Chor, der innerhalb des Halses verlief. Wollte man diese Saiten mit der Griffhand anzupfen, so Ăśffnete man eine Klappe an der RĂźckseite des stark verbreiterten und mit Streben verstärkten Halses. Der breite Hals verlieh dem Instrument ein leicht plumpes Aussehen, umso mehr Intarsien und Schnitzarbeit dienten seiner VerschĂśnerung.cite-ref-ao128-44-0[44] Dies Aussehen, sein sanfter und wegen vieler ObertĂśne silbriger Klang sowie die auĂerordentlich nuancierten Tonerzeugungsarten machten das Baryton im 18. Jahrhundert in der empfindsamen Gesellschaft beliebt, bis hin zum FĂźrsten EsterhĂĄzy, fĂźr den Joseph Haydn insgesamt 126 Trios komponierte. Die hochgradig komplizierte Spielweise schränkte seine Verbreitung allerdings wieder ein.cite-ref-mgg1585-45-0[45]
Während der Zeit der Resonanzsaiten-Mode begann man, auch andere Gamben mit solchen BezĂźgen zu versehen. Diderots und dâAlemberts EncyclopĂŠdie (1751â1772) bezeichnete die Form irrtĂźmlich als Viole bâtarde,cite-ref-46[46] da Praetoriusâ De Organographia die Resonanzsaiten im Abschnitt Violbastarda abgehandelt hatte.cite-ref-mp47-47-0[47] Als Gamba dâamore in Italien oder Basse de viole dâamour in Frankreichcite-ref-ao129-48-0[48] unterschied sie sich von normalen Bauformen lediglich durch ihre sechs bis acht Resonanzsaiten und geriet am Ausgang des 18. Jahrhunderts wieder in Vergessenheit.cite-ref-ao128-44-1[44]
Zu den Aliquotgamben zählen schlieĂlich die in Italien verbreiteten sechssaitigen viole bzw. violoncelli allâinglese. Ăber sie ist wenig bekannt, abgesehen von einigen Kompositionen, die Antonio Vivaldi fĂźr sie hinterlieĂ. Offenbar bezog sich der Beiname nicht auf England, sondern war eine Entlehnung von Englische Violet. Diese Instrumente stammten aus BĂśhmen und hatten einen âengelhaftenâ Klang, der bei der RĂźckĂźbersetzung ins Italienische zur falschen Bezeichnung fĂźhrte.cite-ref-ao129-48-1[48]
Siebensaitige Bassviola
Die Erfindung der Bassviola mit einer zusätzlichen von Silberdraht umsponnenen Saite in Kontra-A wird allgemein Monsieur de Sainte-Colombe zugeschrieben. Instrumente dieser Art wurden jedoch nicht nur zeitgleich in Deutschland bekannt, sie waren bereits viel frßher auf italienischen Gemälden zu sehen, z. B. auf Jacopo Tintorettos Musizierenden Frauen (ca. 1555) oder Domenichinos Santa Cecilia (1618).cite-ref-mgg1585-45-1[45] Dazu kam das Antiken-Interesse der italienischen Humanisten. Sie hatten die griechische Lyra als Streichinstrument interpretiert und versucht, sie in der Lira da braccio nachzubilden.cite-ref-49[49]
Die deutschen Typen unterschieden sich von den franzÜsischen. Es ist daher anzunehmen, dass die Entwicklung parallel vor sich gegangen ist. In Frankreich bildete sich dieser Typ erst vollkommen aus. Antonio Stradivaris Konstruktionspläne einer siebensaitigen Viola alla francese zeigen, dass sie auch in Italien als franzÜsische Spezialität galt.cite-ref-mgg1585-45-2[45] Die Erweiterung um eine tiefere statt einer hÜheren Saite, mit der die Spieler den Lagenwechsel hätten vermeiden kÜnnen, folgte einem Trend um 1600. Die Musik hatte das Bassregister entdeckt.cite-ref-ao129-48-2[48] Die Verschiebung weiter in die Bassregion hinein lieà das mittlere und hohe Register weicher erscheinen. Die Kontra-A-Saite verstärkte die Resonanz. Das Instrument bot mehr MÜglichkeiten zum Akkordspiel.cite-ref-50[50]
Alt- und Tenorviola
FĂźr das Alt- und das Tenorregister existierte in der Renaissance nur ein einziges Instrument, das man englisch als Tenor, franzĂśsisch als Taille (âMitteâ) bezeichnete. In Deutschland wird diese Alt-Tenor-Gambe heute meist âAltgambeâ genannt. Der Chest of viols (deutsch âein Satz Gambenâ) eines englischen Hauses im 17. Jahrhundert umfasste sechs Instrumente, je zwei fĂźr den Diskant, den Tenor und den Bass.
Die Alt-/Tenor-Viola war im Consortspiel des 16. und 17. Jahrhunderts unverzichtbar. Sie wurde ausschlieĂlich im Ensemblespiel verwendet; es existiert so gut wie keine Sololiteratur fĂźr dieses Instrument.cite-ref-ao132-51-0[51] Sie wurde meist nach dem Vorbild der Laute gestimmt â also eine Quart Ăźber der Bassgambe. Manchmal stimmte man auch eine kleine Tenorgambe einen Ganzton hĂśher, jedoch weniger aus GrĂźnden des Tonumfangs als zur Klangdifferenzierung im oberen Mittelregister.cite-ref-52[52]
Der Bau von Alt-/Tenorviolen setzte sich in Deutschland bis ins frĂźhe 18. Jahrhundert fort. Danach fiel das Instrument unter der Bezeichnung Violetta mit der Bratsche zusammen, weil die AuĂenstimmen im musikalischen Satz zusehends mehr Gewicht bekamen. Ob man die Altviola weiterhin verwendete, lässt sich nur bei wenigen Kompositionen z. B. von Carolus Hacquart eindeutig klären.cite-ref-mgg1586-53-0[53] NotenschlĂźssel in Orchesterpartituren bis zur Jahrhundertmitte lassen es wenigstens vermuten und stĂźtzen auch die Annahme, sie sei ein Ensembleinstrument geblieben.cite-ref-ao132-51-1[51] Späte Beispiele der Verwendung sind Georg Philipp Telemanns Konzert fĂźr zwei Violetten G-Dur, Johann Sebastian Bachs 6. Brandenburgisches Konzert und seine Kantate 18.
Diskantviolen
Die sechssaitige Diskantviola ist eine Oktave Ăźber der Bassviola gestimmt. Sie gehĂśrte von der Mitte des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts fest zur Consort-Besetzung. Wegen ihres im Verhältnis schwachen Klangs konnte sie sich jedoch nicht durchsetzen und wurde in gemischten Besetzungen deshalb als Alla-bastarda-Instrument behandelt, d. h. je nach Belieben durch Altviola oder Barockvioline ersetzt.cite-ref-mgg1586-53-1[53] Ihr Spiel war eher figurativ-solistisch als akkordisch. Die englische Treble viol stand seit dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts in starker Konkurrenz zur Violine. Nur wenige Jahrzehnte später hatte sie sich als Soloinstrument mit eigener virtuoser Literatur etabliert, besonders als franzĂśsischer Dessus de viole (frz. Sopranviola, wĂśrtlich âObere Violaâ d. h. âoberstimmige Violaâ). Dieser klang zwar weniger brillant als die zeitgenĂśssischen Violinen, besaĂ aber einen sanften und modulationsfähigen Ton. Ăhnlich wie bei der siebensaitigen Bassgambe diente die tiefste Saite vor allem zur Resonanzstärkung.cite-ref-mgg1587-54-0[54]cite-ref-55[55] Darum wurde der Dessus neben der Violine bis ins 18. Jahrhundert hinein geschätzt und mit Originalliteratur wie Georg Philipp Telemanns Sonate G-Dur (TWV 41:G 6) oder Solosonaten von Carl Philipp Emanuel Bach bedacht.cite-ref-56[56]
pardessus-de-viole
Gegen 1700 ergänzte den Dessus der Pardessus de viole (franzĂśsisch fĂźr ânoch darĂźber [Ăźber dem Dessus]â). Er war eine noch kleinere Viola mit fĂźnf bis sechs Saiten, eine davon zusätzlich in der HĂśhe. Sein Korpus passte sich durch ausgezogene Ecken an der Mittelzarge an die Violinenform an. Beim fĂźnfsaitigen Pardessus, dem Quinton, traten vereinzelt schon die gewĂślbten BĂśden und der DeckenĂźberstand der modernen Violine auf. Die charakteristischen flachen OberbĂźgel blieben allerdings zu jeder Zeit erhalten. Der Unterschied zwischen Pardessus und Quinton schlug sich eher in der Literatur fĂźr die Instrumente nieder,cite-ref-mgg1587-54-1[54] da man Letzteren nicht in Quart-Terz-, sondern in Quart-Quint-Stimmung besaitete.cite-ref-57[57] Der Quinton war eine Hybridform zwischen Viola da gamba und Violine. Er blieb stets ein reines Soloinstrument, das nie in den Consort Eingang fand. Sein in der HĂśhe heller und sĂźĂer Klang, der bis zum dâââ weich bleibt, wird in Tiefe durch das Fehlen einer Saite gemindert und erscheint dort dĂźnn und substanzlos.cite-ref-58[58]
Violone
Der Violone ist als Brßckeninstrument zum Kontrabass bekannt. Allerdings ist diese Bauform ähnlich schwierig zu klassifizieren wie die Viola bastarda.
Die Bezeichnung violone (ital. âgroĂe Violaâ) war seit dem 16. Jahrhundert fĂźr mehrere Gambentypen in Gebrauch, auch fĂźr Instrumente oberhalb des Bassregisters. Lediglich eine Nennung als Contrabasso di viola deutete auf eine Bassgambe hin. Streng genommen zählt der Violone nicht zu den Gambenviolen, da er wegen seiner GrĂśĂe als 16â˛-Instrument zum Spielen auf dem Boden steht. Eigenheiten wie die Korpusform mit geschweiften MittelbĂźgeln lassen ihn auch eher als Violineninstrument erkennen. Neben den abfallenden Schultern gibt allerdings die Quartstimmung den Ausschlag fĂźr die ZugehĂśrigkeit zu den Gamben. Beides setzt sich im Kontrabass fort.
Der Unterschied zwischen Bassviola und Violone hängt mit der musikalischen Funktion beider Instrumente zusammen. Im Generalbass ist ein Kontrabassinstrument Ăźberhaupt erst gegen 1630 als tiefste Stimme belegt. Die Darstellung in Praetoriusâ Syntagma musicum scheint fĂźr ihr Register eher zu klein dimensioniert. Als sich die Ăźbrigen Viola-da-gamba-Instrumente seit Mitte des 16. Jahrhunderts kontinuierlich verkleinerten, entstand aus der Renaissance-Bassgambe ein 12â˛-Violone, während sich der Contrabasso di viola zum 16â˛-Instrument entwickelte.cite-ref-59[59]
Stimmungen
Der charakteristische Unterschied der Violen zu den Violinen besteht in ihrer Saitenstimmung, deren Leitintervall nicht die Quinte ist, sondern die Quarte. Eine Stimmung ausschlieĂlich in Quarten, wie sie heute noch beim Kontrabass in Gebrauch ist, zeigte sich bei den Instrumenten der franzĂśsischen Renaissance. Die deutschen Gamben dieser Epoche fĂźgten einen Terzabstand ein, dessen Lage jedoch wechselte. Diese Saitenstimmung Ăźbernahmen die deutschen Musiker von den italienischen, die die Stimmpraxis der Laute auf die Violen Ăźbertrugen. Zum einen stand die vierte der sechs Saiten â auch die Saitenzahl passte sich der Laute an â im Abstand einer groĂen Terz, zum anderen bevorzugten die Italiener eine mĂśglichst hohe Stimmung und spannten den hĂśchsten Chor darum so stark wie mĂśglich. Martin Agricolas Musica instrumentalis deudsch (1529) empfahl gar, die hĂśchste Saite bis knapp vor den ZerreiĂpunkt zu spannen. Zum anderen wurde eine Stimmung der tiefsten Saite auf D Ăźblich, wie sie dann auch später bei den vielchĂśrigen Barocklauten Praxis sein sollte.cite-ref-mgg1587-54-2[54]
Die Quartstimmung wurde in der Folgezeit zum Standard, so dass auch die zusätzlichen Saiten des franzÜsischen Pardessus und die siebensaitigen Violen jeweils im Quartabstand zu der nächstunteren standen. Die Stimmungen der deutschen Viola bastarda, der englischen Lyra viol und des Barytons waren nicht festgelegt. Sie glichen sich jeweils der Tonart des zu spielenden Stßcks an. Ohnehin sind die in historischen Werken angegebenen Stimmungen nicht als absolute Vorschrift zu betrachten, sondern immer nur als relative Modelle. Sie beziehen sich einerseits auf die hÜchste Saite als Referenzton (welche wiederum von der Bauart, dem individuellen Instrument sowie dessen Besaitung abhängt und darum erheblich schwanken kann); andererseits ist im Ensemblespiel ein gemeinsamer Stimmton notwendig. Wird also die hÜchste Saite einer Lyra viol als d1 angegeben, so ist dies nicht als Stimmton im heutigen Sinne zu verstehen.cite-ref-mgg1587-54-3[54]
Die Entwicklung zu einem festen Kammerton vollzogen erst die englischen Instrumente um 1620, die mit den Violinen und den seinerzeit gebräuchlichen Tasteninstrumenten wie Virginal und Spinett zusammen eingestimmt werden konnten, wie man es bis in die Gegenwart in der Kammer- und Orchestermusik praktiziert. Damit nahm fĂźr die Spieler die Notwendigkeit der Transposition ab und die Gambe bekam im Ensemble eine âfesteâ Stimmung.cite-ref-mgg1580-17-1[17] Als Standard kann die von Ganassi in der Regola Rubertina (1542) angegebene Stimmung gelten:cite-ref-nd24-1-1[1]
Diskant-Gambe dâgâc1âe1âa1âd2 Alt-Gambe Gâcâfâaâd1âg1 Tenor-Gambe DâGâcâeâaâd1 GroĂbaĂ-Gambe D1âG1âCâEâAâdcite-ref-60[60]
Die solistischen Stimmungen weichen zum Teil erheblich von den Ensemblestimmungen ab. Hauptsächlich die englische Lyra viol und der deutsche Dessus de viole wandelten sich durch ihre Stimmungen vom Akkord- zum Melodieinstrument, namentlich in den Werken der Sololiteratur ab dem 18. Jahrhundert, die eine charakteristische Klangfarbe erforderten.cite-ref-ae37-61-0[61]
Ensemblestimmungen der Viola da gamba:cite-ref-mgg1589-62-0[62]
| Deutsch 16. Jahrhundert | FranzĂśsisch 16. Jahrhundert | Italienisch 16. Jahrhundert | Englisch 17. Jahrhundert | FranzĂśsisch 17. Jahrhundert |
|---|---|---|---|---|
| JĂśrg Weltzell (1523) | Philibert Jambe de Fer (1556) | John Playford (1652) | Gianmaria Lanfranco (1533) | Marin Mersenne (1636) |
| Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass |
| Martin Agricola (1528) | Samuel Mareschall (1589) | Adriano Banchieri (1609) und Pedro Cerone (1613) | Thomas Mace (1676) | Jean Rousseau (1687) |
| Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt Tenor Bass |
| Hans Gerle (1532) | | Scipione Cerreto (1601) | James Talbot (vor 1700) | |
| Diskant Alt/Tenor Bass | | Diskant Alt/Tenor Bass | Diskant Alt/Tenor Bass | |
| Martin Agricola (1545) | | Ludovico Zacconi (1592), Michael Praetorius (1619) | | |
| Diskant Alt/Tenor Bass | | Diskant Alt/Tenor Bass | | |
| Viola bastarda Praetorius (1619) | Lyra viol und Viola bastarda | Baryton |
|---|---|---|
| | Lyra way Fifths oder Alfonso way Eights oder Alfonso his second way Harp way sharp Harp way flat High harp way sharp High harp way flat | Krause Haydn |
| Basse de viole | Dessus de viole | Pardessus de viole und Quinton |
| | | |
Spieltechnik
Spielhaltung
Im Gegensatz zum Violoncello, das seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einem Stachel stand, besaĂ die Viola da gamba keine Hilfsmittel. Die grĂśĂeren Instrumente werden fest zwischen den Beinen eingeklemmt, wobei der Spieler jedoch nicht die Knie verwendet â was zu Verkrampfungen und chronischen Schmerzen fĂźhren kĂśnnte, wie es Le Sieur Danoville in LâArt de Toucher le Dessus et Basse de Violle (1687) beschreibt â, sondern die Oberschenkelmuskulatur. Dies klärt einerseits, warum das Instrument da gamba heiĂt; andererseits zeigt es, dass das eingedeutschte Wort âKniegeigeâ im Grunde sachlich falsch ist.
Fßr diese Spielhaltung muss der Sitz so hoch sein, dass beide Beine in den Kniegelenken rechtwinklig abknicken und die Oberschenkel waagerecht liegen. Die Gambe wird auf den Waden abgestßtzt und sitzt damit hÜher als das Violoncello; dadurch werden die Vibrationen der Unterzargen weniger gedämpft und der Klang entfaltet sich stärker. Darßber hinaus befindet sich der Spieler in einer gßnstigeren Stellung, um die Saiten unmittelbar ßber dem Steg anzustreichen. Schiebt der Spieler den linken Fuà etwas vor, so erhält er mehr Bogenfreiheit auf den hohen Saiten, namentlich bei einer Bassgambe. Der Hals wird zum Spiel gegen die linke Schulter zurßckgeneigt, aber nicht angelehnt. Die Schräge gibt der Bogenhand mehr Raum.
Ungeklärt ist, ob der Stand der FĂźĂe die Spielhaltung negativ beeinflusste. Eine Vielzahl der Porträts aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen Spieler im typisch hochhackigen Schuhwerk ihrer Zeit, so dass sie ihre Sohlen nicht flach auf den Boden stellen konnten.cite-ref-63[63]
Linke Hand
Das Spiel der Viola da gamba stand bis ans Ende des 17. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Lautenpraxis. Die Griffweise unterscheidet sich in zahlreichen Punkten von der Technik auf modernen Streichinstrumenten. Wesentlich fĂźr das Spiel sind die an ihrer Griffposition ausgehaltenen TĂśne â in der englischen Literatur als Holds, in der franzĂśsischen als Tenues bezeichnet â, die der Spieler erst dann wieder loslässt, wenn er den Finger fĂźr einen anderen Ton benĂśtigt oder wenn die Fingerhaltung unbequem wird. Die Grifftechnik der Violen ist also generell auf ein mehrstimmig gespieltes Instrument ausgelegt. Mit den gehaltenen Griffen verbinden sich auch Ăśkonomische und klangliche Aspekte. Einerseits trainieren sie den Spieler darauf, die Finger allgemein nicht zu weit anzuheben, so dass er sie leicht wieder auf das Griffbrett setzen kann. Andererseits verlängern sie die Ausschwingphase der Saite. Dazu kommt der ästhetische Eindruck des Gambenspiels, das nach Lehrwerken wie Thomas Maces Musickâs Monument (1676) in ruhigen, sanften Bewegungen zu geschehen habe, einschlieĂlich des durch die Tenues erforderlichen Ăber- oder Untersetzens.cite-ref-64[64] In Einzelfällen verlangt diese Technik eine weite Spreizung der Hand vom zweiten bis zum siebten Bund. Jean Baptiste Besards Isagoge (1617) nennt dazu Methoden, die die Spannfähigkeit wohl Ăźben, der Hand aber eher schaden:
âMan findet ihrer vil / welche ihre Finger bey inen selbst mit der Hand erziehen / auĂspannen / vnd erweitern. Andere erstrecken dieselbige an einer Taffel etc. Etliche schmirben ihre händ mit Tartar Oli: So hab ich auch in Italia gesehen / das ihrer etliche schwere / vnd auĂ Bley gemachte Ring / oder sunst Handschuch an die Finger gelegt haben.â
â
Jean Baptiste Besard
:
Isagoge in artem testudinariam
Wie in der Lautengrifftechnik veränderte sich auch die Position des linken Daumens. Da die Gambenliteratur z. B. im Werk des Monsieur Demachy und bei Marin Marais von der gestreckten Lage bei Doppelgriffen ausging, wanderte der Daumen allmählich von seiner Stellung gegenßber dem Zeigefinger zum Mittelfinger hin.cite-ref-66[66]
Vermeidet die Streichertechnik auf modernen Instrumenten die leeren Saiten, da sie durch die dĂźnnere Obertonstruktur weniger farbig klingen (und da das Vibrato, das sich als ânormaleâ Spieltechnik seit den 1920er-Jahren etablierte, nur durch das Abgreifen funktioniert), so werden sie bei der Viola da gamba bevorzugt. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts setzten die Spieler leere Saiten selbst bei Passagen ein, die dazu mehrfache Saitenwechsel erfordern. Englische und deutsche Tabulaturen sowie franzĂśsische Fingersatzangaben verlangten dies ausdrĂźcklich. Die gegriffenen TĂśne setzte die Spieltechnik nur bei Verzierungen wie Vibrato oder Trillern voraus oder benutzte sie fĂźr Einklangsdoppelgriffe, die entweder zur Verstärkung des Tons dienen oder, bei alternierend angestrichener leerer und gegriffener Saite, die Klangfarbe des Tons changieren lassen. Triller auf zwei Saiten sind zwar grundsätzlich mĂśglich, aber selten spieltechnisch auch sinnvoll.cite-ref-67[67] Immerhin wurde die gegriffene Saite im Ensemblespiel als Mittel diskutiert, um verstimmte leere Saiten auszulassen, da sich die TonhĂśhe durch den Griff korrigieren lässt.cite-ref-ao181-68-0[68]
Das Lagenspiel entwickelte sich regional uneinheitlich. In Italien entfaltete es sich im 16., in England während und in Deutschland erst zum Ende des 17. Jahrhunderts. Die hĂśchsten notierten TĂśne in der italienischen Literatur sind f2, g2 und schlieĂlich h2 bei Richardo Rogniono. Sie sprechen fĂźr eine Ausweitung des allgemeinen Tonumfangs und fĂźr eine komplexer werdende Technik, da sie in figurativ gesetzten Solowerken erschienen. Alfonso Ferrabosco der JĂźngere nutzte die englische Division viol bis zum f2,cite-ref-ao181-68-1[68] folgende Generationen bis zum a2 bzw. bis zum 17. Halbton. Allgemein rĂźckte das Rahmenintervall der Werke fĂźr die Lyra viol nach oben. Extreme Lagen blieben aber der Einzelfall. Im beginnenden 18. Jahrhundert markierte das Lagenspiel, das durch die geringere Griffweite auch Doppelgriffe und den mehrstimmigen Satz erleichterte, technisch und klanglich den BrĂźckenschlag vom Lauten- zum Violoncellospiel: technisch durch das Spiel in bundlosen Regionen nahe am Steg, klanglich in der Angleichung an die hohen Instrumente und im Ausweiten des Timbres, z. B. durch hoch gesetzte Akkorde auf den tiefen Saiten.cite-ref-ao182-69-0[69]
Eine Besonderheit des 17. Jahrhunderts stellen Dessus und Pardessus de viole sowie die Oktavlage der Bassgambe dar. Abweichend von der Ăźblichen Technik werden sie in diatonischen Schritten gegriffen. Der kleine Finger stĂźtzt dabei die Griffhand, indem er auf dem siebten Bund ruht. Danoville hat erstmals diesen Griffmodus beschrieben. Bei den Diskantinstrumenten ergibt sich die Veränderung aus der geringen GrĂśĂe des Instruments, die eine chromatische Griffweise im solistischen Spiel kompliziert macht. Bei der Bassgambe ist sie eine logische Folge der doppelten GrĂśĂe, so dass die Mensur eine Oktave Ăźber der leeren Saite genau dem Diskant entspricht.cite-ref-ao182-69-1[69]
Rechte Hand
Abstrich und Aufstrich
Die Bogentechnik der Viola da gamba ist in der Renaissance kaum belegt. Die Strichrichtung muss eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Allein Ganassis Lettione seconda zog eine Analogie zur Lautentechnik und setzte den Daumenschlag der rechten Hand mit dem Aufstrich gleich, d. h. mit der Bogenbewegung von der Spitze zum Frosch. Die Strichweise moderner Instrumente ist dem genau entgegengesetzt, hier ist der Abstrich der Hauptstrich. Der Unterschied erklärt sich, wenn man berĂźcksichtigt, dass ein kraftvoller Strich, wie ihn der violinentypische Obergriff ergibt, nicht dem Stilideal der Zeit entsprach. Gerade der starke Akzent in der Nähe des Frosches galt als unerwĂźnscht, Ortizâ Tratado ermahnte dazu, ihn zu vermeiden. Mace wies an:
âNow being thus far ready for exercise attempt the striking of your Strings; but before you do that, Arm yourself with Preparative Resolutions to gain a Handsome-Sweet-Smart-Clear-Stroke; or else Play not at all: for your Viol be never so good, if you have an Unhandsom-Harsh-Rugged-Scratching-Scraping-Stroak, (as too many have) your Viol will seem Bad, and your Play Worse.â
âNun, wenn du also so weit fertig zum Ăben bist, versuche deine Saiten zu streichen; aber bevor du das tust, wappne dich zur Vorbereitung mit dem Vorsatz, einen angenehmen, sanften, glatten und klaren Strich zu erzeugen, sonst aber Ăźberhaupt nicht zu spielen, denn deine Gambe wird nie gut klingen. Mit einem unangenehmen, rauen, wilden, kratzenden und schabenden Strich (wie ihn zu viele haben) wird deine Gambe schlecht scheinen und dein Spiel noch schlechter.â
â
Thomas Mace
:
Musickâs Monument
Der Spieler nutzt die ganze Länge des Bogens aus. Er fĂźhrt ihn in einer geraden Linie rechtwinklig zu den Saiten, ohne mit der Spitze nach oben oder nach unten auszuweichen.cite-ref-71[71] Der gewĂźnschte Strich erzeugt einen langen, vollen Klang. Dynamische Unterschiede, besonders das An- und Abschwellen, das zur Tonerzeugung bis einschlieĂlich des Barockzeitalters gehĂśrte, bewerkstelligt der Spieler, indem er den Druck auf die Bogenstange anpasst. Dies war die einzige MĂśglichkeit, den Ton zu beleben, da das Vibrato nur als Verzierung verwendet wurde.cite-ref-72[72]
Bogenhaltung
untergriffZum Halten umfassen Daumen und Zeigefinger die Bogenstange, der Zeigefinger liegt dabei mit den ersten beiden Gliedern auf der Stange. Der Mittelfinger schiebt sich zwischen Stange und Haare, um den Bezug zusätzlich zu spannen. AuĂerdem kann der Ringfinger den Mittelfinger stĂźtzen.cite-ref-73[73] Einige Schulen empfahlen, den Bogen direkt am Frosch anzufassen, andere Lehrer wie Mace befĂźrworteten zwei bis drei Zoll (5â8 cm) Abstand. Die Position beeinflusst das Spiel. Ein Griff näher am Frosch lässt den ganzen Bogen durch mehr Gewicht an der Spitze schwerer auf den Saiten liegen. Hält man den Bogen dagegen weiter in der Stange, so wird er âleichterâ und begĂźnstigt die Bewegungen beim Saitenwechsel.cite-ref-ao187-74-0[74]
Die Aufstrichbewegung wird zu drei Vierteln aus dem Schultergelenk bei angewinkeltem Handgelenk ausgefĂźhrt, danach vollendet das Handgelenk den Strich durch eine Streckbewegung. Umgekehrt beginnt der Abstrich aus der Schulter, das Handgelenk kehrt in seine âgeschlosseneâ Ausgangsposition zurĂźck.cite-ref-75[75] Die Bogenhaltung erfordert einiges Geschick, denn das Zusammenwirken von Stangendruck und Druck auf Bogenhaare muss ausgewogen, das Handgelenk zugleich in einer lockeren Haltung und der Bewegungsapparat des Arms bis zur Schulter entspannt sein, um schnelle Passagen mit raschen Bogenstrichen leicht und flĂźssig auszufĂźhren.cite-ref-ao186-76-0[76] Besonders im Abstrich ist dies wichtig.
Die Ăźbliche Bogenhaltung im Untergriff hat den Vorzug, dass sich Fingerdruck und Armgewicht unabhängig voneinander zur Artikulation einsetzen lassen (bei einer Bogenhaltung im Obergriff wĂźrden sich die beiden Kräfte summieren und eine grĂśĂere Lautstärke ermĂśglichen).cite-ref-77[77] Die Haltung des Oberarms â gerade ausgestreckt oder mit der Bogenbewegung mitschwingend â wurde in den historischen Gambenschulen kontrovers diskutiert.cite-ref-ao186-76-1[76]
Anstrichstelle der Saiten
Ein ebenso umstrittenes Thema war der Abstand von Steg und Anstrichstelle. Während Christopher Simpsons The Division Viol (1665) fĂźr die Bassgambe zwei bis drei Zoll zulieĂ, gab Danoville drei Finger (ca. 5½ cm) als Richtwert an. Insgesamt war die Entfernung viel kleiner als bei heutigen Instrumenten und die Toleranz fĂźr Abweichungen ebenso gering. Der Grund liegt in der Ansprache der Viola da gamba. Streichen am Steg erfordert mehr Bogendruck und erzeugt einen harten Ton, in der Nähe des Griffbretts klingt er dagegen mulmig und obertonarm. Der flache Bau von Steg und Griffbrett birgt nebenbei die Gefahr, bei zu starkem Bogendruck versehentlich mehrere Saiten anzustreichen. Allerdings nutzte man die ansonsten unerwĂźnschten Klangfarbenänderungen auch zur Artikulation und Affektgestaltung im Solospiel aus.cite-ref-ao187-74-1[74]
Mehrstimmiges Spiel
Mehrstimmigkeit auf der Viola da gamba besteht aus Arpeggiospiel, das schon im 17. Jahrhundert bekannt war. Francesco Corbetta hatte 1656 die Gitarre nach Paris gebracht. Ludwig XIV. fand derartigen Gefallen an ihr, dass sie bald zum Modeinstrument avancierte. Die Schlagtechnik, die sich vom Zupfen der Laute grundlegend unterscheidet, machte das Instrument populär. Zwar existieren aus dem 17. Jahrhundert keine Darstellungen, die das Arpeggio als Grundtechnik des polyphonen Gambenspiels belegen, erst in der Vorrede zu seinen Pièces de clavecin en concert (1741) gab Jean-Philippe Rameau einen eindeutigen Hinweis zur AusfĂźhrung von Akkorden. Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass das Arpeggiospiel zuvor besonders auf der Lyra viol gepflegt worden war, denn mehrstimmig gesetzte Kadenzen von Simpson und Tobias Hume legen nahe, dass es nicht nur als Verzierung diente. Eine ähnliche Spielweise in der franzĂśsischen Musik ist das von Marais verwendete En plein (frz. âin der Mitteâ), d. h. das gleichzeitige Anstreichen dreier Saiten. Weil dazu ein stärkerer Bogendruck nĂśtig ist, wird auch die Entfernung zum Steg vergrĂśĂert, um Nebengeräusche zu vermeiden. Zum UnterstĂźtzen der Spannung ist hier der Ringfinger neben dem Mittelfinger unbedingt erforderlich.cite-ref-78[78]
Ein Beispiel fĂźr das Arpeggiospiel ist Maraisâ La Guitare aus den Pièces de violes III (1711). Notentext und AusfĂźhrungsmĂśglichkeit
Analog dazu entwickelte sich aus dem Style brisĂŠ (frz. âgebrochener Stilâ) der franzĂśsischen Lautentechnik in England eine Satzweise, auf zwei Saiten drei- und vierstimmig zu spielen, indem jeweils zwei Stimmen auf je einer Saite verschränkt werden: der Spieler springt cross and skipping (engl. âĂźberkreuz und hĂźpfendâ) mit dem Bogen zwischen den Saiten hin und her, so dass eine Scheinpolyphonie aus durchbrochenen Melodielinien entsteht. Die BogenfĂźhrung dazu erfordert einerseits Leichtigkeit, andererseits muss die Griffhand dafĂźr sorgen, dass die TĂśne nicht zu rasch verklingen.cite-ref-79[79]
Die durchbrochene Arbeit des Style brisĂŠ in Alfonso Ferraboscos des JĂźngeren dreistimmiger Almaine 16 aus den Lessons (1609)
Geschichte und Repertoire
Die Viola da gamba erschien am Ende des 15. Jahrhunderts in Italien und Flandern als Ensembleinstrument mit fßnf bzw. sechs Saiten. Ihre Spieltechnik war stark von der Laute geprägt, die Musik von den Franko-Flamen und der Venezianischen Schule. Ein besonderes Augenmerk erhielt das Diminutionsspiel, d. h. die Ausschmßckung melodischer Linien. Die Gambe wurde in Deutschland und Frankreich als Bassinstrument beliebt und als Generalbassinstrument eingesetzt. Vor allem in England entwickelte sie sich unter italienischem Einfluss zum Soloinstrument. Hier entstanden im Laufe des 17. Jahrhunderts die Division viol und die Lyra viol, die sich zum mehrstimmigen Spiel eigneten. Dies war der Ausgangspunkt fßr die weitere Ausbildung der Spieltechnik in Frankreich. Während in Deutschland und England das Kulturleben auf Grund der Kriege stagnierte, blßhte die Gambenmusik in Frankreich auf. Neue Arten wie die siebensaitige Bassgambe und zwei Typen von Diskantviolen wurden eingefßhrt. Die stilisierten Tanz- und Suitensätze galten als stilistisches Vorbild fßr das Zeitalter des Absolutismus in ganz Europa bis ins 18. Jahrhundert. Dann schwand die Beliebtheit der Viola da gamba, da mit Violine und Violoncello zwei neue Instrumente an ihre Stelle traten. Bis an die Wende zum 20. Jahrhundert war die Gambe fast vergessen. Dann erwachte ein neues Interesse an der Instrumentenfamilie. Neben einer grßndlichen musikhistorischen Erforschung entdeckte man im Zuge der historischen Auffßhrungspraxis auch das Gambenspiel neu. In der Gegenwart ist die Viola da gamba wieder Bestandteil des Konzertlebens Alter Musik.
16. Jahrhundert
Italien
Instrumente nach Art der Viola da gamba erschienen in Italien zum ersten Mal gegen Ende des 15. Jahrhunderts an den päpstlichen HĂśfen der Borgia in Ferrara, Mantua und Urbino. Alle drei Häuser standen in engen politischen und kulturellen Beziehungen zu Spanien. Ein Brief des Bernardo Prospero, seinerzeit Kanzler der Este in Ferrara, schilderte 1493 die Neuheit im Klang eines spanischen Gambenensembles als piĂš presto dolce che de multa arte (ital. âeher sßà als kunstvollâ).cite-ref-80[80] Akkordisches Spiel hatte es bereits auf der Fidel der Minnesänger gegeben, melodisches in gemischten Ensembles aus Blas- und Saiteninstrumenten. Neu daran fĂźr ein Streichinstrument war die Spielhaltung zwischen den Beinen.
Das Gambenensemble war parallel zur niederländischen Polyphonie entstanden. Beide verband die Satzweise des homogenen Ensembleklangs mit gleichrangigen Partien, die nach dem Vorbild der menschlichen Stimme in Register geordnet sind. Dabei zeichnete sich frĂźh eine Tendenz zum Bassregister ab, d. h. zum Bau vergrĂśĂerter Instrumente fĂźr tiefe Frequenzbereiche. Das Violenensemble blieb Ăźber zwei Jahrhunderte im 12â-Register. Damit verfolgten die Musiker das Ziel, eigenständige instrumentale KlangkĂśrper zu schaffen, die auch ohne die Gesangsstimme alle Tonlagen abzudecken vermochten.cite-ref-mgg1573-2-3[2] Das erste gemalte Zeugnis einer Viola da gamba findet sich auf einem Bild des Timoteo Viti (um 1500). Baldassare Castigliones Libro del Cortigiano (1508â1516, verĂśffentlicht 1528) nennt bereits das Spiel eines Gambenconsorts nach StimmfĂźhrungsart der Niederländer.cite-ref-81[81] Komplette Sätze von sechs oder sieben Instrumenten nach Art des Chest of viols waren bereits vorhanden.cite-ref-82[82] Das solistische Spiel war allerdings noch nicht bekannt. NĂśrdlich und sĂźdlich der Alpen unterschieden sich die Viola-da-gamba-Typen. Im Nordraum bevorzugte man fĂźnfsaitige Instrumente, im SĂźdraum sechssaitige, die die Quartstimmung und die Spieltechnik von der Laute Ăźbernahmen. Der sĂźdländische Typ sollte sich schlieĂlich als bestimmend erweisen.cite-ref-mgg1574-83-0[83]
Die Viola da gamba verbreitete sich in Italien in den Akademien und gebildeten Zirkeln. Man nannte sie nach der Vihuela zunächst einfach viola, dann wegen ihrer BĂźnde viola da tasti (ital. âmit BĂźndenâ) oder zur Klarstellung der Streichtechnik viola de arco (ital. âmit Bogenâ). Zur Unterscheidung von den kleinen Streichinstrumenten, die man beim Spielen auf dem Arm hielt, benutzte man auch viole grande und violoni (nicht zu verwechseln mit dem Violone), was schlieĂlich zu Paradoxa wie soprano di viole grande oder soprano di violoni fĂźhrte â die Bedeutung hatte sich so weit verselbstständigt, dass die Violen zum Gattungsbegriff geworden waren.cite-ref-84[84] In den Lexika und Musikschulen der Zeit, bei Hans Gerle, Hans JudenkĂśnig und Martin Agricola, behandelte man sie als Verwandte der Laute, was sich in der Folgezeit auch in Spieltechnik und Tabulaturnotation niederschlagen sollte.cite-ref-85[85] Die Instrumente verfĂźgten mit zweieinhalb Oktaven Ăźber einen grĂśĂeren Tonumfang als andere und erlaubten durch ihre anpassungsfähige Stimmung bereits chromatischecite-ref-mgg1574-83-1[83] und enharmonische Satzweisen, die die mitteltĂśnige Stimmung nicht leisten konnte.
Als neuartiges Ausdrucksmedium, das die menschlichen Affekte durch die Tongestaltung widerspiegelt, wurde die Viola da gamba von Nicolas Gombert und Adrian Willaert, Philippe de Monte und Luca Marenzio eingesetzt und zum Teil (während eine variable Besetzung in dieser Zeit durchaus Ăźblich war) sogar gefordert. Zu dieser Zeit begann die Praxis, Vokalwerke wie Madrigale und Motetten als Instrumentalsätze umzuschreiben. Dies bildete die Grundlage des Consort-Repertoires. Die Diskantinstrumente hatten vor 1580 noch keine groĂe Bedeutung, Bass- und Tenorgamben dominierten die Besetzung. FĂźr eine mĂśglichst tiefe Tonlage wurde der Steg, wenn er beweglich war, manchmal nach unten gerĂźckt.cite-ref-86[86]
Das Instrumentalspiel wurde in dieser Zeit erstmals Gegenstand der ErĂśrterungen und schlieĂlich der Gambenschulen, die Praxis und Ăsthetik festlegten. Die Technik entwickelte zunächst das Lagenspiel oberhalb der BĂźnde, die Praxis der Consorts das Diminutionsspiel, wie es in Diego Ortizâ Tratado (1553) beschrieben ist: improvisierende AusschmĂźckungen der einzelnen Partie im Kontext der kontrapunktischen StimmfĂźhrung. Durch Alfonso Ferrabosco den Ălteren gelangte diese Spieltechnik nach England.cite-ref-87[87] Girolamo Dalla Casas zweibändiges Grundlagenwerk II vero modo di diminuir con le tutte le sorte di stromenti (1584) prägte den Begriff Bastarda fĂźr die diminuierenden Stimmen. Praetorius beschrieb ihn in De Organographia folgendermaĂen:
âWeiĂ nicht / Ob sie daher den Namen bekommen / daĂ es gleichsam eine Bastard sey von allen Stimmen; Sintemal es an keine Stimme allein gebunden / sondern ein guter Meister die Madrigalien, unnd was er sonst uff diesem Instrument musiciren wil / vor sich nimpt / und die Fugen und Harmony mit allem fleiĂ durch alle Stimmen durch vnd durch / bald oben auĂm Cant, bald unten auĂm BaĂ / bald in der mitten auĂm Tenor und Alt herausser suchet / mit saltibus und diminutionibus zieret / und also tractiret, daĂ man ziemlicher massen fast alle Stimmen eigendlich in ihren Fugen und cadentien daraus vernemen kann.â
â
Michael Praetorius
:
De Organographia
Daraus wird nicht klar, ob es sich um eine Instrumentenneuentwicklung handelte oder um eine Spielpraxis fĂźr alle Stimmen. Immerhin kann es auch ausdrĂźcken, dass die Viola bastarda jeden Themeneinsatz in jeder Stimme mitspielte. Sie entwickelte sich am Ende des 16. Jahrhunderts zum Soloinstrument. Zu den ersten Virtuosen gehĂśrte Francesco Rognoni, der Sohn des Richardo Rognoni.cite-ref-88[88]
Der frĂźhe mehrstimmige Stil in einer Madrigalbearbeitung von Diego Ortiz: Recercada Ăźber O felici occhi miei
Das Akkordspiel pflegten die Italiener hĂśchstens zur Liedbegleitung im gemischten Ensemble. Giuliano Tiburtino und Ludovico Lasagnino blieben die einzigen Meister, die Silvestro Ganassis Lettione seconda fĂźr erwähnenswert hielt. Die Viola da gamba stand noch immer im Schatten der Laute, und während sie im Solospiel nach Rognionis Meinung zur âKĂśnigin aller diminuierenden Instrumenteâ aufrĂźckte, Ăźbernahmen Lira da gamba und Lira da braccio die akkordischen Aufgaben. Zwar beherrschten einige Musiker wie Alessandro Striggio der Ăltere sowohl Liren als auch Violen, doch der Unterschied zwischen den Instrumenten scheint zeitgenĂśssischen Beobachtern kaum aufgefallen zu sein.cite-ref-ao29-89-0[89]
Deutschland
Die groĂen deutschen Lehrwerke des 16. Jahrhunderts, Sebastian Virdungs Musica getutscht und auĂgezogen (1511) und Agricolas Musica instrumentalis deudsch (1529), behandelten eher die in grĂśĂerer FĂźlle vorhandenen Blasinstrumente. Die Darstellung der Streichinstrumente blieb mangelhaft â die Anzahl der Saiten, die Darstellung von Stegen, die Zuordnung zu Instrumentenfamilien, die Korpusumrisse waren selten korrekt â und beruhte darauf, dass die Autoren weniger praktische Kenntnisse als z. B. Ganassi erwerben konnten.cite-ref-mgg1575-90-0[90] Die deutsche Musik beherrschten Blasinstrumente wie Zink und Posaune, Schryari, Schalmeien und BlockflĂśten, daneben Orgel und Regal. Gerles und Agricolas Werke verfolgten eher einen pädagogischen als einen kĂźnstlerisch-philosophischen Anspruch, denn sie wollten die Streichinstrumente erst ins deutsche Musikleben einfĂźhren, das sich in der Reformationszeit grĂźndlich von der italienischen Renaissance unterschied.cite-ref-91[91] Erst gegen Ende des Jahrhunderts änderte sich die Lage. 1571 erwarb ein Händler im Auftrag der Fugger einen Chest of viols, sechs âgrosse welsche geigenâ aus Londoner Herstellung fĂźr den Hof in MĂźnchen. Die Viola da gamba hielt auch in die deutsche Musiklandschaft Einzug.
Seit 1562 wirkte Orlando di Lasso als Hofkapellmeister in MĂźnchen. Er hatte das italienische Musikleben in seiner Studienzeit selbst erlebt. Als ein âFundamentalinstrumentâ integrierte er die Viola da gamba in die MĂźnchener Hofkapelle, die später zum Besetzungsvorbild fĂźr die generalbassorientierten Ensembles wurde. Davon profitierte die Diminutionspraxis unmittelbar und mittelbar auch die Satzweise der MehrchĂśrigkeit. Die Viola da gamba war zum Element der musikalischen Erneuerung geworden und hatte gleichzeitig eine tragende Funktion im Ensemblespiel Ăźbernommen.cite-ref-92[92] Die deutschen Gamben waren meist fĂźnfsaitig und unterschieden sich von den italienischen Vorbildern im Bau, der weniger unter dem Einfluss der Lauten stand. Ihre Stimmungen eigneten sich besonders zum Ensemblespiel. Diminutionen wurden zur AusschmĂźckung von Klauseln empfohlen. Das virtuose Solospiel stand noch am Anfang. Die Literatur umfasste wie in Italien vorwiegend vokale Formen wie Lied- und Motettensätze. Anders als in der italienischen Musik forderte die Besetzung nie ausdrĂźcklich Gambenstimmen. Auch die Tanzsatzfolgen, die parallel zu den franzĂśsischen Suiten erschienen, berĂźcksichtigten sie nicht. Dies war eine Folge der deutschen Bläsertradition.cite-ref-mgg1575-90-1[90]
Frankreich
Die ersten franzĂśsischen Gamben, die Philibert Jambe de Fers Epitome musical (1556) beschrieb, waren eher mit den deutschen als mit den italienischen verwandt. Zunächst wies die Korpusform Eigenschaften des Violintypus auf. Dazu waren sie durchgängig in Quarten gestimmt ohne die lautentypische Terz in der Mitte. AuĂerdem betonte Jambe de Fer den hohen gesellschaftlichen Status des Gambenspiels.cite-ref-mgg1575-90-2[90] Den Ton der Violine beschrieb er als plus rude (frz. âsehr rauâ), sie sei ein Spielmannsinstrument, kein Instrument der Vornehmen.cite-ref-93[93] Die zeitgenĂśssischen HandlungsbĂźcher wiesen italienische, deutsche und flämische Namen von Musikern aus. Sie hatten ihre sĂźd- bzw. nordalpinen Instrumententypen mit ins Land gefĂźhrt. Besonderes Ansehen scheinen die Musiker aus den Nordalpenländern genossen zu haben. Sie dienten zur Präsentation vor ausländischen Staatsgästen. Im Gegensatz zur italienischen Kammermusik der akademischen Zirkel orientierte sich das franzĂśsische Musikleben eher an festlicher Prachtentfaltung. Consorts in der typischen Sechserbesetzung spielten bei Ăśffentlichen Anlässen auf, bei TheaterauffĂźhrungen, sogar unter freiem Himmel.
Die Bildwerke des 16. Jahrhunderts weisen darauf hin, dass sich die Basslastigkeit in Frankreich fortsetzte. Ăbermannshohe basse-contre-Instrumente wurden gebaut, grĂśĂer als der Violone.cite-ref-mgg1575-90-3[90] Obwohl der italienische sechssaitige Viola-da-gamba-Typ bereits in der zweiten Jahrhunderthälfte eingefĂźhrt und von Jacques Mauduit gefĂśrdert worden war, Ăźberwog das fĂźnfsaitige Instrument noch bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts und war das bevorzugte Schulinstrument.cite-ref-mgg1575-90-4[90] Das Repertoire umfasste Chanson- und Motettenbearbeitungen, Tänze als Vorformen der franzĂśsischen Suite und Fantasien. Die Kompositionen von Claude Gervaise, Eustache du Caurroy, Estienne du Tertre, Jacques Moderne und Claude Le Jeune sind oft noch rein homophon und wenig kunstvoll ausgearbeitet.cite-ref-94[94]
England
Während die deutsche Musik den Bläsern einen hĂśheren Rang einräumte, entwickelten die Engländer seit dem Spätmittelalter ein besonderes Interesse an Saiteninstrumenten. Um das Jahr 1547 zählte das Inventar Heinrichs VIII. 54 Violen und Lauten.cite-ref-ao34-95-0[95] Bis zur Zeit Elisabeths I. reifte das Consortwesen zur vollen BlĂźte.cite-ref-96[96] Das Gambenspiel breitete sich in England bis 1540 aus. Kingâs Musick, die Hofkapelle der KĂśnige, stand internationalen Musikern offen. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts lieĂen sich zahlreiche Italiener in London nieder, speziell ehemals jĂźdische Konvertiten aus Norditalien, die vor der spanischen Inquisition vom Kontinent geflĂźchtet waren. Zu ihnen gehĂśrte die Familie der Bassano, deren Oberhaupt Jeronimo aus Venedig an den KĂśnigshof gekommen war. Die Nachfahren, u. a. sein Sohn Anthony Bassano, wirkten als FlĂśtisten und Violisten eines sechsstimmigen Consorts in der Kapelle. Das hĂśfische Musikleben lag ganz in italienischer Handcite-ref-ao34-95-1[95] und vermischte sich mit einer voll ausgebildeten nationalen Tradition: die Vokalwerke waren auf englische Texte verfasst, die Volksliedmelodien besaĂen einen hohen Stellenwert. Komponisten wie William Byrd und später Orlando Gibbons schrieben Madrigalkompositionen, die im Gambenconsort als Instrumentalfassungen gespielt wurden. Als vokal-instrumentale Mischbesetzung ging aus den volkstĂźmlichen Airs der vier- bis fĂźnfstimmige Consort Song hervor.cite-ref-ao35-97-0[97]
17. Jahrhundert
Italien
Die Viola da gamba blieb nach wie vor ein geschätztes Soloinstrument und hatte das Akkordspiel der Lira da gamba ßberlassen. Allerdings sollte sich diese nicht dauerhaft durchsetzen. Mit dem Ende des 17. Jahrhunderts kam sie aus der Mode. Eine Tendenz der italienischen Renaissance war die Entwicklung eines modernen Konzertlebens mit der Trennung von Ausfßhrenden und ZuhÜrern. Es formten sich Instrumentalensembles mit solistischer Viola, mit Violinen und Zinken. Das Gambenconsort verlor nach 1600 seine fßhrende Bedeutung in Italien.cite-ref-ao29-89-1[89] Obwohl viele Quellen des späteren 17. Jahrhunderts noch Gambisten nachweisen, praktizierte man das kammermusikalische Spiel nur mehr vereinzelt in geistlichen Konzerten oder Akademien. Inzwischen entwickelte sich die Viola bastarda in den hÜfischen Zirkeln zu einer Solostimme mit Generalbassbegleitung weiter.cite-ref-mgg1576-98-0[98] Bedeutender aber war die Entfaltung der Violinliteratur. Im Gegensatz zur Basslastigkeit anderer Musikkulturen bevorzugten die Italiener hohe Lagen. Sie richteten ihr Interesse auf die Oberstimme und nutzten den Bass lediglich als harmonische Stßtzfunktion. Der brillante Klang der Barockvioline lief der Diskantgambe rasch den Rang ab. Die Bassgamben blieben lediglich als Continuo-Instrumente.cite-ref-99[99]
England
Das Consortspiel erfreute sich ungeschmälerter Beliebtheit. Auch der Laute bedienten sich die englischen Musiker, sie blieb der Viola ebenbĂźrtig. Lehrwerke wie Thomas Robinsons The Schoole of Musicke (1603) behandelten meist beide Instrumente. Titelblätter mit Besetzungsangaben wie to be sung to the lute or viol (engl. âmit Lauten- oder Gambenbegleitung zu singenâ) lieĂen die freie Wahl bei der AusfĂźhrung. Die Lyra viol nutzte weiterhin die franzĂśsische Lautentabulatur. Die beiden Instrumente fĂźhrten eine Koexistenz als Soloinstrumente ohne BerĂźhrungspunkte. Viele Spieler beherrschten sowohl Viola als auch Laute oder die Theorbe, die bis 1620 als Generalbassinstrument vorherrschte; später nutzte man (anders als auf dem Kontinent) die Orgel. Aber auĂer John Dowlands Lachrimae or Seaven Teares (1604) ist kein Werk erhalten, das Consort und Solo-Laute vereint hätte.cite-ref-mgg1576-98-1[98]
Die Musik der englischen Oberschicht bestimmten zwei Institutionen, die Hofkapelle im weltlichen und die Chapel Royal im geistlichen Bereich. Beide beschäftigten nach wie vor italienische Musikerdynastien, aber auch einheimische Komponisten wie Nicholas Lanier, John Bull, Thomas Lupo, Robert Johnson, Thomas Ford, William Lawes, John Jenkins und Thomas Tomkins, die als staatliche Wßrdenträger eine privilegierte Position genossen.cite-ref-ao35-97-1[97] In dieser elitären Klasse fungierte die Viola da gamba als Statussymbol. Die Instrumente waren mit Intarsien und Schnitzereien geschmßckt und mit Familienwappen bemalt. Die Darmsaiten wurden zu hohen Kosten aus Italien importiert. Gedruckte Lieder und Madrigale waren mitunter Bßrgerlichen gewidmet, die solistische Gambenliteratur jedoch nur AngehÜrigen der Aristokratie. Die Consortmusik erschien bis auf wenige Ausnahmen nicht im Druck, sondern beschränkte sich auf handschriftliche Kopien.
Ab 1600 sind Diminutionen mit starker rhythmischer Komponente ßber einem ostinaten Bass bekannt, die divisions upon a ground.cite-ref-100[100] Die Division viol, ihre Spieler und die Divisions waren auch in Kontinentaleuropa berßhmt. An der Lira da gamba zeigten die Engländer kein Interesse. Sie zogen die Lyra viol vor, da sie sich fßr eine Vielzahl von Saitenstimmungen eignete; diese leiteten sich von Dreiklangsbrechungen ab. Spieltechnisch waren Division viol und Lyra viol indes nicht vollkommen voneinander getrennt. Die Division viol eignete sich sowohl fßr akkordisches Spiel als auch die Lyra viol fßr Diminutionen.
Christopher Simpson: Der Ground und eine Division-MĂśglichkeit
Einige Theoretiker, unter ihnen Musiker wie Praetorius und Mersenne, Wissenschaftler wie RenÊ Descartes und Francis Bacon, hatten sich eingehend mit der Erregung von Resonanzen in schwingungsfähigen Systemen beschäftigt. Die Erfindung der Epoche waren sympathetische Saiten, d. h. solche, die die Schwingung gestrichener Saiten aufnehmen und den Instrumentalklang verstärken. Die Lyra viol war das erste spielfähige Resonanzsaiteninstrument.cite-ref-101[101]
Gegen 1625 trat eine Wende in der englischen Kultur ein. Um das KrĂśnungsjahr Karls I. und an einem Hochpunkt der englischen Musikgeschichte starben zahlreiche namhafte englische Komponisten, Byrd, Gibbons, Cooper, Dowland, Bull und Ferrabosco. Die junge KĂśnigin Henrietta Maria brachte bei ihrer Ăbersiedlung ein Gefolge von Musikern nach London, die den italienischen Einfluss durch den franzĂśsischen ablĂśsten: zweiteilige Tanzformen, subtile Verzierungen und den preziĂśsen Zeitgeschmack. Die Consort-Literatur und die Musik der Lyra viol nahmen sich die franzĂśsische Lautenmusik zum Vorbild.cite-ref-102[102] Neue Ensembleformen mit heterogenen Besetzungen formten sich. Lawesâ Harp Consorts sind fĂźr Violine, Division viol, Harfe und Theorbe kombiniert, fĂźr Zusammenklänge aus Darm- und Metallsaiten. Jacques Gaultier belebte die Lautenmusik neu durch Kompositionen im Style brisĂŠ, das heiĂt mit gegeneinander verschobenen mehrstimmigen Melodielinien. Die Gambenmusik ahmte diese Technik später nach. Neue terzreiche Stimmungen und Skordaturen fĂźr die Laute entstanden. Die Musik erlebte eine ästhetische Ăberfeinerung.cite-ref-103[103]
Die BĂźrgerkriegszeit und die sich anschlieĂende republikanische Zeit zerstĂśrten das Ăśffentliche Kulturleben. FĂźr gut zwei Jahrzehnte erschienen keine neuen Noten im Druck. Die Schulen bildeten keinen Nachwuchs mehr aus. Die meisten Musiker wurden vertrieben oder zogen sich ins Privatleben zurĂźck. Die englische Musik fiel auf den Status des Dilettantismus zurĂźck, der noch Ăźber produktive Komponisten wie John Jenkins oder Christopher Simpson, aber nicht mehr Ăźber technisch erfahrene Instrumentalisten verfĂźgte.cite-ref-104[104] Eine neue nationale Musikschule residierte im Exil in Oxford. Hier zeigte sich an den SchĂźlern, dass ihnen die Violine im Vergleich zur Gambe noch recht unbekannt war: sie stimmten sie in Quarten statt in Quinten und hielten sie wie eine Treble viol zwischen den Beinen. Aber auch nach der KrĂśnung Karls II. und der RĂźckkehr zur Monarchie erholte sich die Tradition nicht. Das Gambenconsort verblieb in den privaten Kreisen der Gentry, statt in die Hofkapelle zurĂźckzukehren. Die Division viol konnte sich noch eine Weile lang neben der aufkommenden Violine behaupten. Danach beherrschte der franzĂśsische Geschmack im Stil von Jean-Baptiste Lullys Vingt-Quatre Violons du Roy die Kingâs Musick.cite-ref-105[105] Einige Fantasien von Henry Purcell sind erhalten. Bis ins 18. Jahrhundert spielten auf dem Lande Consorts. 1652 publizierte der Verleger John Playford das Schulwerk Musickâs Recreation on the Lyra-viol (engl. âMusikalische Erholung auf der Lyra violâ), das mit jeder der drei Neuauflagen nur anspruchsloser wurde. Dann vergaĂ man die Viola da gamba.cite-ref-106[106]
Frankreich
Consortmusik blieb in Frankreich die Ausnahme. Wenige Komponisten wie Claude Le Jeune, Louis Couperin und Marc-Antoine Charpentier verfassten Ensemblewerke, und auch diese waren maximal vierstimmig. Das Ensemblevorbild blieben Lullys Vingt-Quatre Violons du Roy, deren Klang und Orchesterdisziplin die repräsentative Musik der BourbonenkÜnige besser zur Geltung brachten. Die Satzweise unterschied sich von der englischen. Während die Diskantstimme fßr den Dessus de viole brillante Solopassagen spielte, ßbten die Mittel- und Unterstimmen nur eine Begleit- und Stßtzfunktion aus.cite-ref-107[107] Die sechssaitige Gambe hatte sich allgemein durchgesetzt. Aus den Erfahrungen mit der Laute entstand nun in Frankreich in kurzer Zeit eine solistische Spieltechnik. Berßhmte Solisten der Zeit waren AndrÊ Maugars und Nicolas Hotman.
Das Lauten- und Gambenrepertoire bestand aus zweiteiligen Tanzsätzen, aus Branles oder Paaren von je einem schnellen und einem langsamen Tanz, aus Airs, Piècen in freier Form und PrĂŠludes. Man stellte die Einzelsätze zu Suiten zusammen, das verbindende Element war die Tonart. Ihr berĂźhmtester Vertreter als Komponist und Instrumentalist war Marin Marais. An Diminutionen zeigte die franzĂśsische Musik kein Interesse. Die verfeinerte Spieltechnik richtete ihr Augenmerk auf die Tonbildung und vor allem auf die Ornamentik.cite-ref-mgg1577-108-0[108] Die Verzierungen wurden nicht nur subtiler, sie erschienen erstmals in groĂer Anzahl im Notentext, durch Buchstaben und Zusatzzeichen abgekĂźrzt oder ausnotiert. Zahlreiche Spielvorschriften sind in Jean Rousseaus TraitĂŠ de la viole, in Simpsons Division Viol, später in Johann Joachim Quantzâ Versuch einer Anweisung die FlĂśte traversiere zu spielen (1752) erhalten.
Lagenspiel und Ornamentik bei Marin Marais: Idylle
Vermutlich hat Monsieur de Sainte-Colombe die siebte Saite in Kontra-A auf der Bassviola eingefĂźhrt. Siebensaitige Gamben waren schon vorher bekanntcite-ref-mgg1577-108-1[108] und der Trend zur Basslastigkeit spiegelte sich im tiefen franzĂśsischen Stimmton wider. 1688 kam es zwischen Rousseau und Demachy zu einem Ăśffentlichen Streit um das melodische und das harmonische Spiel. Der vordergrĂźndige Anlass fĂźr die Polemik war die Stellung des linken Daumens. Demachy beanspruchte fĂźr sich die alte Lautentechnik, den Daumen dem Zeigefinger gegenĂźber zu halten. Rousseau berief sich auf Sainte-Colombe, bestritt eine Beziehung zur Lautentechnik und plädierte fĂźr die Position gegenĂźber dem Mittelfinger. In der Folge unterschied man in der Violenmusik spieltechnisch zwischen Pièces de mĂŠlodie und Pièces dâharmonie. Die Lehrwerke trennten sich.cite-ref-109[109]
Deutschland und die Niederlande
Der englische Einfluss auf das deutsche Musikleben hielt an. Als 1613 der Kurfßrst Friedrich Elisabeth Stuart heiratete, lieà sich John Cooper am Heidelberger Hof nieder. Weitere Landsmänner folgten ihm und breiteten die Consorttechnik in den Fßrstentßmern aus. Mit den Musikern kamen auch die Instrumente ins Land, englische und italienische Gamben, und die Fßnfstimmigkeit der Madrigale Claudio Monteverdis. Johann Hermann Scheins Banchetto musicale (1617) und Samuel Scheidts Ludi musici (1621) empfanden das englische Klangbild von William Brade und Thomas Simpson nach. Der Generalbass, ausgefßhrt von Laute, Theorbe oder Cembalo, hatte sich bereits weiterentwickelt als in anderen Ländern. Die solistische Auffßhrungspraxis fßr die Viola da gamba war aber bis zu diesem Zeitpunkt vorwiegend Improvisation und wurde kaum notiert. Gedruckte Werke liegen nicht vor.cite-ref-110[110]
Der DreiĂigjährige Krieg erschĂźtterte das Musikleben in Deutschland, Polen, BĂśhmen und in den Niederlanden nachhaltig. Die FĂźrstenhĂśfe entlieĂen ihre Musiker, verkleinerten oder schlossen ihre Kapellen. Der Notendruck stagnierte. 1648 war die Epoche des Gambenconsorts in Deutschlands vorbei. Die englischen Gambisten besaĂen keine Geltung mehr, an ihre Stelle traten italienische Musiker, die die Barockvioline einfĂźhrten. Durch die politische Zersplitterung Deutschlands bildete sich eine vielfältige Musikkultur regionaler Gegensätze heraus.cite-ref-111[111] Es gab keinen einheitlichen Ăśffentlichen Kulturträger. Die Sakralmusik trat mehr in den Vordergrund. In protestantischen Gebieten, in denen die wortbetonte Musik gepflegt, und in calvinistischen, wo die Gläubigen vollständig auf Kunstmusik verzichteten, war Instrumentalmusik nicht gefragt.cite-ref-ao58-112-0[112] Aus der italienischen Triosonate fĂźr zwei Violinen und Bass schufen Komponisten wie Johann Philipp Krieger, Philipp Heinrich Erlebach und Dietrich Buxtehude immerhin eine deutsche Variante fĂźr Violine, Viola da gamba und Generalbass. Das Spiel beschränkte sich auf die oberen drei Saiten und die hĂśheren Lagen, akkordisches Spiel schwand vĂśllig.cite-ref-mgg1578-113-0[113]
Im norddeutschen Raum bauten die Hansestädte LĂźbeck und Hamburg ein eigenes Musikleben auf, das die englische Consort-Tradition mit der MehrchĂśrigkeit und dem italienischen Solospiel verband.cite-ref-ao58-112-1[112] Man besann sich hier auf die schon zuvor praktizierte Austauschbarkeit von Posaunen- und Gambenstimmen, so dass die Streichinstrumente wieder Einzug in die festliche Kirchenmusik hielten. Diskant- und Altviolen verschwanden. Ăbrig blieb die Bassgambe als Continuo- und Soloinstrument. FĂźhrende Institutionen waren das Hamburger Collegium musicum um Matthias Weckmann, Johann Schop, Thomas Selle und Christoph Bernhard,cite-ref-114[114] die ursprĂźnglich von Franz Tunder begrĂźndeten Abendmusiken in St. Marien zu LĂźbeck und das Consort Friedrich Wilhelms von Brandenburg.cite-ref-115[115]
Die Niederlande hatten seit dem Tod Jan Pieterszoon Sweelincks kaum eigene Musik hervorgebracht, stattdessen aber viele ausländische Einwirkungen aufgenommen.cite-ref-ao58-112-2[112] Die groĂe religiĂśse Toleranz fĂśrderte die Ansiedelung von FlĂźchtlingen aus ganz Europa, spanischen und portugiesischen Juden und franzĂśsischen Hugenotten. Hier wirkten KĂźnstler wie Walter Rowe, Dietrich Steffkins, Nicolas Hotman, Carolus Hacquart und schlieĂlich Johannes Schenck, der Gambist am DĂźsseldorfer Hof Johann Wilhelms II. von der Pfalz wurde.cite-ref-116[116] Er pflegte einen Mischstil mit Suiten nach franzĂśsischer Art und Kirchensonaten. Das Satzbild ist in seiner Mehrstimmigkeit dabei allerdings teilweise derart kompliziert und Ăźberladen, dass es an der Grifftechnik der Gambe vorbei komponiert erscheint.
Die deutsche Gambenliteratur des 17. Jahrhunderts ist insgesamt schwer zu beurteilen, da zahlreiche gedruckte Tabulaturen verschollen sind.cite-ref-mgg1578-113-1[113]
18. Jahrhundert
Frankreich
Nachdem der siebensaitige Basse de viole sich in Frankreich endgĂźltig durchgesetzt hatte, schufen Rousseau, Le Sieur Danoville und Marais ihm mit Kompositionen fĂźr ein bis drei Instrumente ein spieltechnisches Fundament. Das Repertoire grĂźndete auf der inzwischen formal gefestigten Suite, auf Tanzsätzen und CharakterstĂźcken. Maraisâ Schreibweise war bassbezogen, das in Deutschland und England beliebte Spiel in der Diskantlage Ăźber dem Continuo war nur von untergeordneter Rolle. Ăberhaupt wurde der Generalbass als zweitrangig behandelt, er Ăźbernahm oft nur eine Reduktion der Hauptstimmen.
Eine kritische Auseinandersetzung brachte Hubert Le Blancs Streitschrift DÊfense de la basse de viole contre les entreprises du violon et les prÊtensions du violoncelle (1740). Einerseits zog sie die Viola da gamba der aufkommenden Violine und dem Violoncello vor, andererseits bemängelte sie die franzÜsischen Pièces und Suiten als einseitig.cite-ref-mgg1578-113-2[113] Fßr eine stilistische Erneuerung sorgte Antoine Forqueray, der Anregungen aus der italienischen Musik in die Spieltechnik einfßhrte. Seine Kompositionen nutzen den vollen Tonumfang der Bassgambe und bisher nicht bekannte Akkordkombinationen in allen Lagen. Sein Sohn Jean-Baptiste, selbst ein berßhmter Gambist, verÜffentlichte die Kompositionen nach dessen Tod.
Eine weitere Neuheit des Jahrhunderts waren die beiden Diskantgamben-Typen, der Dessus und der Pardessus de viole. Ein geschichtlicher Streitpunkt ist, ob sie ursprĂźnglich als âDameninstrumenteâ entwickelt wurden. Beide waren in der Kammermusik geschätzt, da sie sich als Alternative zu Violine, Oboe und der noch neuen QuerflĂśte anboten. Der ältere Forqueray hatte sie auch statt des Basse de viole eingesetzt.cite-ref-mgg1579-117-0[117]
Deutschland
Deutschland und das Ăźbrige Europa Ăźbernahmen den franzĂśsischen Stil. Die Viola da gamba behielt ihren Status als Soloinstrument fĂźr den privaten Gebrauch in der Aristokratie. Etliche FĂźrsten beherrschten das Spiel, Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg, Max Emanuel von Bayern, Leopold von Anhalt-KĂśthen und Friedrich Wilhelm von PreuĂen.
Carl Friedrich Abel, der Sohn Christian Ferdinand Abels, gilt als der letzte deutsche Virtuose des Jahrhunderts. Seit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts wurden die Gambensolisten zu reisenden Berufsmusikern (den heutigen professionellen Instrumentalsolisten durchaus vergleichbar), zu fest angestellten Kammermusikern mit diplomatischen Hofämtern, wie sie Johannes Schenck und Ernst Christian Hesse innehatten, oder sie ergänzten ihren Arbeitsbereich um das Violoncellospiel. Mit diesem Schritt brach die traditionelle Kombination von Gambe und Laute ab.cite-ref-mgg1579-117-1[117] Wie in England war die Viola ein Dilettanteninstrument geworden und ihre Rolle auf ein Ersatzinstrument eingeschränkt. Johann Mattheson kommentierte in Das neu-erÜffnete Orchestre (1713):
âIhr meister Gebrauch bey Concerten ist zur Verstärckung des Basses, und praetendiren einige gar einen (âŚ) General-Bass darauff zu wege zu bringen / wovon ich noch biĂ dato eine vollkommene Probe zu sehen / das GlĂźck nicht gehabt habe (âŚ).â
â
Johann Mattheson
:
Das neu-erĂśffnete Orchestre
Friedrich Wilhelm II. versuchte noch einmal, die Viola da gamba zu kultivieren. Mit seinem Lehrer Ludwig Christian Hesse, dem Sohn Ernst Christians, bat er Jean-Baptiste-Antoine Forqueray um Noten und spieltechnische Unterweisung. Der Kontakt kam zustande, die nach PreuĂen Ăźbersandten Kompositionen sind nicht mehr erhalten. Einige Sonaten Carl Philipp Emanuel Bachs fĂźr die Diskantgambe entstanden in dieser Zeit.cite-ref-ao85-119-0[119] In gemischten Besetzungen bei Carl Heinrich Graun, Carl Stamitz u. a. war die Bassgambe oft noch obligates Instrument. Georg Philipp Telemann komponierte ZwĂślf Fantasien fĂźr Viola da Gamba solo (Fantaisies pour la Basse de Violle), die er 1735 herausgab. FĂźr die Diskantgambe, die in Deutschland eher dem Dessus als dem Pardessus entsprach, verfassten Johann Daniel Hardt, Telemann, C. Ph. E. Bach und Johann Melchior Molter Werke von teils sehr anspruchsvoller Technik.cite-ref-mgg1579-117-2[117] Die Ăźbrige Literatur bestand Ăźberwiegend aus Violinmusik, die fĂźr die Gambe eingerichtet wurde. Parallel dazu bemĂźhten sich die Instrumentenbauer um technische Modifikationen, die den Klang steigern sollten, auch wenn dabei manche Charakteristika verloren gingen. Der Hals neigt sich bei diesen Gamben zurĂźck, der Boden ist gewĂślbt, Wände und Innenbalken sind verstärkt. Aber der neue Typ hatte keine Chance und wurde nicht ins Orchester aufgenommen.cite-ref-ao85-119-1[119]
Die letzte Neuentdeckung des empfindsamen Zeitalters war das Baryton, das zusammen mit der Viola dâamore seit dem Ende des 17. Jahrhunderts als Liebhaberinstrument gespielt wurde. Sein Klang war weich, auĂerordentlich nuanciert und silbrig, die Spieltechnik jedoch verhältnismäĂig schwierig wegen dreier SaitenbezĂźge, von denen einer zum Zupfen diente. Als Hofmusiker auf Schloss EsterhĂĄzy komponierte Joseph Haydn 126 Trios fĂźr seinen Dienstherrn, den FĂźrsten Nikolaus I. Das Instrument kam mit der Vorklassik aus der Mode.cite-ref-120[120]
Diskantgambenspiel bei Carl Friedrich Abel: Sonate fĂźr Viola da gamba solo G-Dur, 2. Satz
19. Jahrhundert
Bis auf wenige Interpreten wie Franz Xaver Hammer oder Joseph Fiala war die Viola da gamba im 19. Jahrhundert weithin vergessen. Weder Musikpraxis noch Fachliteratur hatten sich nennenswert mit ihr beschäftigt. Unterdessen betrachtete man das Violoncello als Bezugspunkt der Gambe und spielte die noch vorhandenen Instrumente ohne BĂźnde, hielt den Bogen im Obergriff und stellte sie auf einen Stachel.cite-ref-mgg1580-17-2[17] Viele Instrumente wurden zu Violoncelli âumgebautâ, etliche sind dabei zerstĂśrt worden, bei den meisten anderen ist kein Originalhals mehr erhalten. Zahlreiche in dieser Zeit âentdeckteâ Gamben erwiesen sich später als Fälschungen. Die Zargen wurden niedriger geschnitten, die BĂśden von Diskantgamben am unteren Ende abgeschrägt, um sie in der Viola-da-braccio-Haltung spielen zu kĂśnnen; aus Decke und Boden von Bassgamben sägte man kleinere Instrumente heraus; die Deckeninnenseiten wurden ausgeschliffen oder unterfĂźttert, die Innenbalken durch stärkere ersetzt. Zudem wurden einige Instrumente mit Metallsaiten bespannt, so dass Decke und Boden unter dem Druck einbrachen.
1840 erwähnt ein Artikel Ăźber Christian Podbielski in der Neuen Zeitschrift fĂźr Musik die Viola da gamba als âromantische[s] Instrumentâ.cite-ref-121[121]
Erst um 1880 erwachte das Interesse an der Viola da gamba neu, um sie in die damalige Musik einzubeziehen. Allerdings geschah dies eher aus musealer Neigung.cite-ref-mgg1580-17-3[17] Bei der UrauffĂźhrung von Julius Rietzâ Oper Georg Neumark und die Gambe (1885) in Weimar erschien auf der BĂźhne eine Viola da gamba, fĂźr die Rietz eine historisierende Originalmusik komponiert hatte. Doch die Pläne, das Instrument wieder in Orchesterapparat und Konzertwesen zu integrieren, schlugen fehl. Stattdessen fertigte man Gamben-Arrangements nach romantischer Musik an.cite-ref-122[122]
Ab dem 20. Jahrhundert
Neue Akzente setzte um die Jahrhundertwende der englische Instrumentenbauer und Musikforscher Arnold Dolmetsch, der als Pionier der Historischen Auffßhrungspraxis gilt.cite-ref-123[123] Nach Quellenstudium und praktischen Versuchen grßndete er ein sechsstimmiges Consort aus den Mitgliedern seiner Familie und demonstrierte in Üffentlichen Konzerten das Gambenspiel in historisch korrekter Spieltechnik und -ästhetik. Die Veranstaltungen waren beliebt und weckten die Aufmerksamkeit der englischen Musikwelt.cite-ref-124[124]
Lehrwerke und Spielmusik
Die ersten deutschen Versuche in Lehrwerken von Paul Grßmmer (1928) und Christian DÜbereiner (1936) beschränkten sich dagegen auf die solistische Bassgambe. Die historische Spieltechnik erkannten sie zwar an, hielten sie aber fßr ßberholt. Erst Joseph Bacher (1932) und August Wenzinger (1935) wandten sich im Zuge der Jugendmusikbewegung den historischen Originalen zu. Neben der Wiederentdeckung der alten Spielmusik fßr Amateurensembles griffen sie auch die historische Spieltechnik wieder auf, allerdings nur in Ansätzen. Das Spiel auf leeren Saiten lehnten sie weitgehend ab. Genaue instrumentalpädagogische Darstellungen leisteten erst Jean-Louis Charbonniers Jouer et apprendre la viole de gambe (1976) fßr die franzÜsische Sologambe und Play the viol (1989) von Alison Crum und Sonia Jackson fßr das Consortspiel.cite-ref-125[125] Einen ganzheitlichen methodischen Ansatz nach historischen Quellen beschreibt die Schule von Verena Kronseder in dem Werk Handbuch des Gambenspiels (2024).
Neue Kompositionen fĂźr Viola da gamba
Neue Musik fĂźr die Viola da gamba entstand in der Jugendmusikbewegung u. a. von Jens Rohwer, im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts jedoch nur sehr vereinzelt, z. B. Pierre BartholomĂŠes Tombeau de Marin Marais fĂźr Violine, zwei Gamben und Klarinette oder Dieter Krickebergs vierteltĂśnige Fantasia fĂźr 4 Gamben, die an die chromatischen Experimente des 16. Jahrhunderts anknĂźpft.cite-ref-mgg1580-17-4[17]
Hugo Herrmann schrieb 1931 ein Konzert fĂźr Gambe und Streichorchester (op. 79c, UA Wien), das seine deutsche ErstauffĂźhrung in KĂśln 1932 mit Paul GrĂźmmer erlebte und diesem frĂźhen Gambisten des 20. Jahrhunderts auch gewidmet ist.
Gambenmusik fĂźr einzelne CD-Projekte schrieben daneben Jazz-, Avantgarde- und Pop-Komponisten wie George Benjamin, Michael Nyman, Elvis Costello, Tan Dun, Alexander Goehr, Gavin Bryars, Barrington Pheloung, Barry Guy und Moondog. Dem Filmpublikum rief Die siebente Saite (Tous les matins du monde, 1991) des franzĂśsischen Autors und Regisseurs Alain Corneau nach dem Roman von Pascal Quignard die Musik des 17. Jahrhunderts wieder in Erinnerung in Gestalt der Gambisten Sainte-Colombe (Jean-Pierre Marielle) und Marais (GĂŠrard und Guillaume Depardieu).
Bedeutende Gambisten und Ensembles des 20. und 21. Jahrhunderts
Namen einiger wichtiger Gambisten sind beispielsweise August Wenzinger, Wieland Kuijken, Jordi Savall, Josef Ulsamer, Simone Eckert, Susanne Heinrich, Vittorio Ghielmi, Paul GrĂźmmer, Hille Perl, Paolo Pandolfo, Thomas Fritzsch und Lucile Boulanger.
Bekannte Ensembles fĂźr Consortmusik sind Fretwork, Ulsamer-Collegium, Phantasm, Hamburger Ratsmusik, das Marais Consort und The Baltimore Consort.
Literatur
Historische Werke
Viola da gamba
⢠Christopher Simpson: The Division Viol or The Art of Playing Ex Tempore Upon a Ground. London 1665. Faksimile-Nachdruck hrsg. von J. Curwen & Sons, London 1955.
⢠Thomas Mace: Musickâs Monument. London 1676. Faksimile-Nachdruck hrsg. vom Centre National de la Recherche Scientifique, Paris 1966.
⢠Le Sieur Danoville: LâArt de toucher le dessus et le basse de violle. Paris 1687. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Minkoff, Genf 1972
⢠Jean Rousseau: TraitÊ de la viole. Paris 1687. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Minkoff, Genf 1975.
⢠Michel Corrette: MÊthode pour apprendre facilement à jouer du pardessus de viole à 5 et à 6 cordes avec des leçons a I. et II. parties. Paris 1738. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Minkoff, Genf 1983.
⢠Hubert Le Blanc: DÊfense de la basse de viole contre les entreprises du violon et les prÊtensions du violoncelle. Amsterdam 1740; Faksimile-Nachdruck hrsg. von Karel Lelieveld, Den Haag 1983.
⢠Michel Corrette: MĂŠthodes pour apprendre Ă jouer de la contre-basse Ă 3, Ă 4 et Ă 5 cordes, de la quinte ou Alto et de la viole dâOrphĂŠe, Nouvel instrument ajoustĂŠ sur lâancienne viole. Paris 1781. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Minkoff, Genf 1977.
Spielpraxis und Theorie
⢠Girolamo Dalla Casa: II vero modo di diminuir con le tutte le sorte di stromenti. 2 Bände. Venedig 1584. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Giuseppe Vecchi, Bologna 1970.
⢠Scipione Cerreto: Della Prattica musica vocale, et strumentale. Opera necessaria a coloro, che di musica si dilettano. Carlino, Neapel 1601.
⢠Pietro Cerone: El Melopeo. Tractado de musica theorica y pratica. Neapel 1613. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Franco Alberto Gallo, Bologna 1969.
⢠Jean Baptiste Besard: Isagoge in artem testudinariam. Augsburg 1617. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Peter Päffgen. Junghänel Päffgen Schäffer, Neuss 1974.
⢠Marin Mersenne: Harmonie Universelle, contenant La ThÊorie et la Pratique de la Musique. Paris 1636. Faksimile-Nachdruck hrsg. vom Centre National de la Recherche Scientifique, Paris 1965.
⢠Marin Mersenne: Harmonicorum Libri XII. Paris 1648. Faksimile-Nachdruck hrsg. von Minkoff, Genf 1972.
WeiterfĂźhrende Literatur
Instrument
⢠Christian Ahrens: Viola da gamba und Viola da braccio. Symposium im Rahmen der 27. Tage Alter Musik in Herne 2002. Mßnchen 2006, ISBN 3-87397-583-1.
⢠Hans Bol: La Basse de viole du temps de Marin Marais et dâAntoine Forqueray. Creyghton, Bilthoven 1973 (Dissertation).
⢠Imke David: Die sechzehn Saiten der italienischen Lira da gamba. Orfeo-Verlag, Osnabrßck 1999, ISBN 3-9806730-0-6.
⢠Christian DÜbereiner: Ueber die Viola da Gamba und die Wiederbelebung alter Musik auf alten Instrumenten. Sonderdruck aus Zeitschrift fßr Musik. 1940, Heft 10, Leipzig 1940.
⢠Friedemann und Barbara Hellwig: Joachim Tielke. Kunstvolle Musikinstrumente des Barock. Deutscher Kunstverlag, Berlin/Mßnchen 2011, ISBN 978-3-422-07078-3.
⢠Bettina Hoffmann: Die Viola da Gamba. Ortus Musikverlag, Beeskow 2014, ISBN 978-3-937788-32-6.
⢠Adolf Heinrich KÜnig: Die Viola da gamba. Anleitung zum Studium und zur Herstellung der Instrumente der Viola da gamba-Familie. Eine Berufskunde fßr Gambenbauer. Erwin Bochinsky, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-923639-64-3.
⢠Annette Otterstedt: Die Englische Lyra Viol. Instrument und Technik. Bärenreiter, Kassel 1989, ISBN 3-7618-0968-9 (Dissertation).
⢠John Rutledge: How did the Viola da gamba sound? In: Early Music. 7 (Januar 1979), S. 59â69.
⢠Erich Valentin: Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Gustav Bosse, Regensburg 1954, S. 149â152 und 426.
Instrumentalspiel und Musik
⢠Barbara Schwendowius: Die solistische Gambenmusik in Frankreich von 1650â1740 (= KĂślner Beiträge zur Musikforschung. Band 59). Bosse, Regensburg 1970, ISBN 3-7649-2563-9; zugleich Dissertation.
⢠Veronika Gutmann: Die Improvisation auf der Viola da gamba in England im 17. Jahrhundert und ihre Wurzeln im 16. Jahrhundert (= Wiener VerÜffentlichungen zur Musikwissenschaft. Band 19). Schneider, Tutzing 1979.
⢠Alison Crum, Sonia Jackson: Play the viol. The complete guide to playing the treble, tenor, and bass viol. Oxford University Press, 1989, ISBN 0-19-317422-7.
⢠Mark Lindley: Lauten, Gamben und Stimmungen. Deutsch von Alois Hoizkrumm. Wilsingen 1990, ISBN 3-927445-02-9.
⢠Fred Flassig: Die solistische Gambenmusik in Deutschland im 18. Jahrhundert. Cuvillier, GÜttingen 1998, ISBN 3-89712-241-3 (zugleich Dissertation).
⢠Verena Kronseder: Handbuch des Gambenspiels. Anregungen zur technischen und musikalischen Arbeit. Edition Walhall â Verlag Franz Biersack, Magdeburg 2024, ISMN: 979-050265-270-8.
Sonstige Literatur
⢠Michael Praetorius: De Organographia. Wolfenbßttel 1619. Neudruck Kassel 1929.
⢠Alfred Einstein: Zur deutschen Literatur fßr Viola da Gamba im 16. und 17. Jahrhundert. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1905 (Dissertation); Nachdruck 1972, ISBN 3-500-24050-X.
⢠Nathalie Dolmetsch: The viola da gamba. Its origin and history, its technique and musical resources. Hinrichsen Edition, New York / London / Frankfurt am Main / Zßrich 1962.
⢠Nikolaus Harders: Die Viola da gamba und Besonderheiten ihrer Bauweise. Verlag Das Musikinstrument, Frankfurt am Main 1977, ISBN 3-920112-58-X.
⢠Ian Woodfield: The Early History of the Viol. Cambridge University Press, 1984, ISBN 0-521-24292-4.
⢠Annette Otterstedt: Die Gambe. Kulturgeschichte und praktischer Ratgeber. Bärenreiter, Kassel u. a. 1994, ISBN 3-7618-1152-7.
⢠Annette Otterstedt: Viola da gamba. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Sachteil, Band 9 (Sydney â Zypern). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1998, ISBN 3-7618-1128-4, Sp. 1572â1597 (Online-Ausgabe, fĂźr Vollzugriff Abonnement erforderlich)
Weblinks
⢠Literatur von und ßber Viola da gamba im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Weblinks zum Instrument
⢠tielke-hamburg.de â Website fĂźr Joachim Tielke, von dem Ăźber 90 Viole da gamba aus den Jahren 1669 bis 1719 nachgewiesen werden kĂśnnen.
⢠Viola da gamba Sammlung der Orpheon Foundation â Ikonographische Dokumentation, Artikel zu Baumerkmalen, Geschickte u. a.
Einzelnachweise
cite-note-nd24-11. Dolmetsch, S. 24.
cite-note-mgg1573-22. â Annette Otterstedt: Viola da gamba. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Sachteil, Band 9 (Sydney â Zypern). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1998, ISBN 3-7618-1128-4, Sp. 1572â1597, hier: Sp. 1573 (Online-Ausgabe, fĂźr Vollzugriff Abonnement erforderlich) (im Folgenden zitiert als âMGG-Sâ)
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cite-note-101101. â Otterstedt, S. 37.
cite-note-102102. â Otterstedt, S. 42.
cite-note-103103. â Otterstedt, S. 43.
cite-note-104104. â Otterstedt, S. 44.
cite-note-105105. â Otterstedt, S. 45.
cite-note-106106. â Otterstedt, S. 46.
cite-note-107107. â Otterstedt, S. 65 f.
cite-note-mgg1577-108108. â MGG-S, Band 9, Sp. 1577.
cite-note-109109. â Otterstedt, S. 73 f.
cite-note-110110. â Otterstedt, S. 33.
cite-note-111111. â Otterstedt, S. 57.
cite-note-ao58-112112. â Otterstedt, S. 58.
cite-note-mgg1578-113113. â MGG-S, Band 9, Sp. 1578.
cite-note-114114. â Otterstedt, S. 59.
cite-note-115115. â Otterstedt, S. 59 f.
cite-note-116116. â Otterstedt, S. 61 f.
cite-note-mgg1579-117117. â MGG-S, Band 9, Sp. 1579.
cite-note-1186. Johann Mattheson: Das neu-erĂśffnete Orchestre. Hamburg 1713. S. 284.
cite-note-ao85-119119. â Otterstedt, S. 85.
cite-note-120120. â Otterstedt, S. 87.
cite-note-121121. â Gambist Thomas Fritzsch Ăźber sein Album âThe 19th-Century Violâ. (MP3-Audio; 11,4 MB; 6:15 Minuten) In: SWR2 Treffpunkt Klassik. 29. Juli 2020, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 10. August 2020; abgerufen am 4. Oktober 2020. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/avdlswr-a.akamaihd.net
cite-note-122122. â Otterstedt, S. 90 f.
cite-note-123123. â Otterstedt, S. 92.
cite-note-124124. â Otterstedt, S. 93.
cite-note-125125. â MGG-S, Band 9, Sp. 1592 f.